Frankreich verordnet sich mehr Service

23. Juni 2014, 13:15
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Service ist nach Ansicht mancher Einheimischer nicht unbedingt mit der Mentalität der Franzosen zu vereinen, daran will man nun arbeiten

Wien – Frankreichs sozialistische Regierung will bekanntlich die darbende Wirtschaft ankurbeln. Dazu zählt unter anderem auch die Belebung der Tourismusbranche. Der Sektor spielt in Frankreich schon jetzt eine gewichtige wirtschaftliche Rolle. Er sichert rund zwei Millionen Arbeitsplätze und trägt zu sieben Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Kein anderes Land der Welt zieht jährlich mehr Besucher und Besucherinnen an. 83 Millionen Gäste zählte die Grande Nation im Jahr 2012.

Mehr Grazie

Die Franzosen scheinen sich dieser Bedeutung nicht immer gewahr zu sein. Vor allem Paris-Besucher, die der französischen Sprache nicht mächtig sind, seien ob der oft rüden Art der Einheimischen bass erstaunt, berichtet die Financial Times. Jetzt nimmt sich die Regierung der delikaten Chose an und will erreichen, dass die Eingeborenen auf die Gäste mit etwas mehr Grazie zugehen.

Es gehe darum, so Jean-François Rial, Chef des Reiseveranstalters Voyageurs du Monde, in der FT, "die Mentalität der Franzosen zu verändern. Franzosen sehen Service als Knechtschaft. Wir Franzosen sind sehr schlecht darin“, bekannte Rial auf einer Konferenz, die vergangene Woche von der Regierung einberufen worden war, um ein neues Tourismusbelebungsprogramm ins Leben zu rufen.

Touristische Selbstläufer

Was man laut dem Bericht dort seitens der zuständigen Minister noch zu hören bekam: Zu lange wäre in Frankreich, dank  touristischer Selbstläufer wie Paris, der Côte d’Azur und den  Alpen, der Zustrom der Gäste für unabänderlich und naturgegeben gehalten worden. Die Regierung will ihre Zahl nun auf 100 Millionen pro Jahr steigern.

Tourismusministerin Fleur Pellerin sagte, dass das Land 500.000 Jobs schaffen könnte, wenn man es schaffe,  fünf Prozent der erwarteten eine Billion Reisenden  weltweit bis zum Jahr 2030 anzuziehen. Was man dafür für notwendig erachtet, ist ein Upgrade der Hotellerie, einfachere Visa-Beschaffung und eine Expressverbindung von Paris zum größten Flughafen Charles de Gaulle.

Ein Hauptaugenmerk gelte es allerdings auf die Verbesserung der Servicequalität zu legen, so Pellerin. Ganz besonders in den Restaurants sieht sie Handlungsbedarf: Nicht immer bekämen Touristen, was sie im Land der hochgelobten und weithin bekannten Küchenchefs erwarten dürften. (rebu, derStandard.at, 23.6.2014)

  • Die berühmte Pont des Arts in Paris. Viele waren schon da, um hier ihre Liebesschlösser zu hinterlassen. Geht es nach der Regierung sollen durchaus noch mehr Gäste kommen.
    foto: ap/camus

    Die berühmte Pont des Arts in Paris. Viele waren schon da, um hier ihre Liebesschlösser zu hinterlassen. Geht es nach der Regierung sollen durchaus noch mehr Gäste kommen.

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