OnePlus One: Günstiger Highend-Androide im Hands-on

23. Juni 2014, 13:35
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"Flaggschiff-Killer" verspricht Kampfansage an Galaxy S5 und Co. für weniger als 300 Euro

Für viel Furore hat die Ankündigung des OnePlus One Ende April gesorgt. Ein junges chinesisches Start-up (wenn auch mit fleißiger Unterstützung des erfahrenen Herstellers Oppo) namens OnePlus wollte ein Smartphone bauen, das in puncto Spezifikationen mit aktuellen Flaggschiffen wie dem Galaxy S5 mithält, aber nicht mehr kostet als ein Mittelklassegerät. Seit Anfang Juni ist das Telefon nun im Umlauf, zu haben ist es derzeit aber offiziell nur per Einladung – normale Bestellungen werden wohl erst in wenigen Monaten möglich sein.

Der WebStandard konnte vor zwei Monaten in Hongkong bereits ein Vorserienmodell begutachten, dort hinterließ das Gerät bereits einen guten Ersteindruck. Nun ist die finale Version des OnePlus One in der Redaktion eingetroffen. Der selbsternannte "Flaggschiff-Killer" wurde sogleich einem Hands-on unterzogen.

Gute Verarbeitung

Beim Testgerät handelt es sich um die größere Ausgabe des One. Diese liefert 64 GB Onboardspeicher und kommt in der Farbe "Sandstone Black". Die Farbbezeichnung bezieht sich auch auf die Oberfläche, denn diese ist rau und greift sich ein wenig an wie Sandpapier. Dementsprechend wenig Sorgen muss man haben, dass das Gerät einfach aus der Hand rutschen könnte.

Verarbeitungstechnisch sind auch bei genauerer Inspektion keine Mängel feststellbar. Das dürfte auch daran liegen, dass OnePlus in den selben Stätten fertigen lässt, die auch Oppo für Geräte wie das Find 7 nutzt. Das die Form des Smartphones diesem frappant ähnelt, dürfte kein Zufall sein.

Kampfpreis

Die kleinere Ausgabe des OnePlus One bringt 16 GB mit und ist ebenfalls an ihrer Farbe, "Silk White", erkennbar. Invite-Besitzer können das Smartphone für 269 bzw. 299 Euro plus Versand direkt beim Hersteller ordern.

Überzeugendes Display

Das Full-HD-Panel des Smartphones weist eine Diagonale von 5,5 Zoll (13,97 Zentimeter) auf. Mit Gesamtmaßen von 153 x 76 x 9 Millimetern ist einhändige Bedienung bestenfalls eingeschränkt möglich. Am Bildschirm selbst gibt es auf den ersten Blick nichts auszusetzen. Farben sind kräftig, Kontraste deutlich und die maximale Helligkeit sollte auch gute Nutzbarkeit unter hellem Sonnenlicht gewährleisten. Das Aufwecken des Geräts per doppeltem Antippen des Displays ist möglich.

Highend-Hardware, ruckelfreier Betrieb

Die Ausstattung unter der Haube ist üppig. Zum Einsatz kommt Qualcomms Snapdragon 801-Chip, der eine mit 2,5 GHz getaktete Quadcore-CPU mitbringt. Ihm stehen gleich drei GB RAM und ein Adreno-330-Grafikchip zur Seite.

Dies macht sich beim Navigieren durch das System, wie auch beim Websurfen positiv bemerkbar, denn alle Eingaben und Gesten verarbeitet das Handy flott und ohne bemerkbaren Rucklern. Ausführliche Tests wurden noch nicht vorgenommen, jedoch bestätigen Benchmarkergebnisse fürs Erste den Eindruck.

Rund 36.850 Zähler erzielt das OnePlus One beim Allround-Test mit Antutu und sticht damit sowohl das HTC One M8 als auch das Samsung Galaxy S5 um circa 1.000 Punkte aus. Beim 3D-Durchlauf mit Epic Citadel gibt sich das Gerät ebenfalls keine Blöße und liefert praktisch durchgehend flüssige 60 Bilder pro Sekunde.

derstandard.at/von usslar

Cyanogenmod 11S

In puncto Software setzt der Hersteller auf Cyanogenmod. Das einstige Community-Projekt ist nun eine eigenständige Firma und liefert für das One eine angepasste Variante seiner Firmware namens Cyanogenmod 11S. Diese basiert aktuell auf Android 4.4.2 und bringt eine Reihe von Zusatzoptionen – etwa Support für verschlüsselte SMS und diverse Standard-Apps aus eigenem Hause - mit.

Anpassbar

Eine genauere Besprechung dieser Features bleibt dem kommenden Test vorbehalten, erwähnt werden sollten allerdings Interface und Kamera-App. Schon beim Einrichten des Geräts wird gefragt, ob man für die grundsätzliche Navigation die Hardwaretasten heranziehen möchte, oder Onscreen-Buttons bevorzugt. Letzteres wirkt aufgrund der Existenz der Softtouch-Schaltflächen wie eine Doppelung, könnte aber Moddern in Zukunft ermöglichen, diese mit anderen Funktionen zu belegen.

Ebenso lässt sich wählen, ob man das Standard-Android-Design für Oberfläche und Icons bevorzugt, oder die eigene Cyanogenmod-Adaption. Diese ersetzt eine Reihe der Programm-Abbildungen mit einfach gehaltenen, quadratischen Logos. Wer sich mit Vanilla Android auskennt, findet sich in beiden Fällen schnell zurecht. Weitere Themes lassen sich herunterladen.

Kluge Kamera-Adaption

Die Kamera-App bietet eine aufgeräumte Oberfläche und erinnert an Googles Nexus Camera. Aufnahmen mit dem 13-MP-Sensor von Sony lösen schnell aus, das Umschalten zwischen den Aufnahmemodi (von HDR bis hin zu verschiedenen Filtern) per Wischgeste ist zuerst gewöhnungsbedürftig, erweist sich aber als praktisch.

Weitere Ausstattung

Zur weiteren Ausstattung des OnePlus One zählen das Standard-Konnektivitätsrepertoire aus WLAN (802.11ac), Bluetooth und GPS/GLONASS zur Navigation. Auch LTE ist an Bord, allerdings fehlt hier die Unterstützung für das 800-MHz-Spektrum. Folglich dürfte das Handy in ländlichen Gebieten, die in Deutschland bereits primär auf diesen Wellenlängen bedient werden, auf 3G-Empfang umschalten. In Österreich wird derzeit noch ausschließlich der 2.600-Mhz-Bereich genutzt.

Akustischer Ersteindruck

Gute Soundwiedergabe verspricht man dank "Dirac HD" über die beiden Stereo-Lautsprecher, die an der Unterseite des Geräts. Im Kurztest lieferten diese überdurchschnittlichen, aber nicht spektakulären Output. Das Klangbild kann über eine eigene Equalizer-App angepasst werden.

Vorläufiges Fazit

Summa summarum hinterlässt das OnePlus One einen ausgesprochen guten Ersteindruck, nicht nur unter Berücksichtigung des vergleichsweise niedrigen Preises. Kann das Gerät auch hinsichtlich seiner weiteren Software-Features, bei einem ausführlichen Test der Kamera sowie bei der Akkulaufzeit überzeugen, darf man das Versprechen eines "Flaggschiff-Killers" wohl als eingelöst betrachten.

Eine ausführliche WebStandard-Rezension des Smartphones folgt in Bälde. (Georg Pichler, derStandard.at, 23.06.2014)

  • Das Display des OnePlus One lässt beim ersten Test wenig Spielraum für Kritik.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Display des OnePlus One lässt beim ersten Test wenig Spielraum für Kritik.

  • Dem Namen entsprechend rauh fühlt sich die Rückseite des Smartphones in der Variante "Sandstone Black" an.
    foto: derstandard.at/pichler

    Dem Namen entsprechend rauh fühlt sich die Rückseite des Smartphones in der Variante "Sandstone Black" an.

  • In puncto Verarbeitung entspricht das Handy anderen Geräten aus der Oppo-Fertigung.
    foto: derstandard.at/pichler

    In puncto Verarbeitung entspricht das Handy anderen Geräten aus der Oppo-Fertigung.

  • Einige Standard-Apps von Android wurden durch Eigenbau-Software ersetzt, darunter auch die Kamera.
    foto: derstandard.at/pichler

    Einige Standard-Apps von Android wurden durch Eigenbau-Software ersetzt, darunter auch die Kamera.

  • Testfoto: Tageslicht, automatische Einstellung
    foto: derstandard.at/pichler

    Testfoto: Tageslicht, automatische Einstellung

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