Die Grabsteine, die keine waren

Blog mit Video23. Juni 2014, 13:46
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Die Riahi Brothers lernen den jordanischen Aktivisten Firaz Taibeh und seinen wirkungsvollen Protest für die Opfer von Gaza kennen

Wir haben Firas Taibeh bei den Dreharbeiten zu unserem Film "Everyday Rebellion" in Amman 2012 kennengelernt. Er war unser Produktionsleiter vor Ort, und durch seine eigene Arbeit als Filmemacher und Schauspieler kannte er die Gegebenheiten vor Ort sehr gut. Diese Erfahrung half uns, diverse Tore für die Dreharbeiten zu öffnen, etwa mit der Möglichkeit, in dem 2012 neu errichteten syrischen Flüchtlingslager Zataari zu drehen. Das Lagar war erst vor ein paar Wochen eröffnet worden, und es befanden sich etwa 5000 Menschen dort. Inzwischen ist diese Zahl auf fast eine Million Flüchtlinge gestiegen.

everyday rebellion

Was wir erst später erfuhren, war die Tatsache, dass Firaz selbst an einigen gewaltfreien Aktionen beteiligt war. Firaz wurde 1983 in Libyen geboren und studierte Regie und Kamera am Red Sea Institue of Cinematic Arts in Aqaba/Jordanien. Bevor er 2007 zum Filmemachen kam, studierte er Bildhauerei. Taibeh hat als freier Produzent, Kameramann, Schauspieler und Regisseur in zahlreichen jordanischen Produktionen mitgewirkt. Er ist zudem Mitbegründer des ersten jordanischen Web-TVs Aramram. Sein Film "An Invisible Face" gewann den Preis für den besten Kurzfilm beim 19. Europäischen Film Festival in Amman 2007.

Eines seiner Projekte entstand während des Gaza-Kriegs, um auf das Massaker aufmerksam zu machen. Eine Art Embargo rund um die israelische Botschaft in Amman. Es war eine gewaltfreie Aktion, die jedoch keine friedliche Gegenreaktion erntete. Anfang 2009 beschloss er gemeinsam mit drei anderen Künstlern eine Installation zu bauen, um gegen die Bombenanschläge in Gaza zu demonstrieren. Sie errichteten einen symbolischen Friedhof mit Grabsteinen aus Styropor in Al Rabieh, im Herzen von Amman. Jeder Grabstein wurde mit einer Nummer markiert, und der Friedhof wuchs mit der zunehmenden Zahl der Todesopfer. Al Rabieh war der gefährlichste Ort für diese Installation, weil dort die israelische Botschaft untergebracht ist und es schon mehrere Gewalttaten zwischen Demonstranten und der Polizei gab.

Letztendlich wurde der Friedhof von der Polizei mehrmals zerstört. Auch wenn die Grabsteine nur aus Styropor waren, wirkt der Anblick der Soldaten, die Grabstein für Grabstein zerstören, sehr irritierend und verstörend brutal. Und genau das macht den Sinn solcher kreativen, gewaltfreien Aktionen aus: Der Feind wird dazu provoziert, sein wahres Ich zu zeigen und sich gleichzeitig der Lächerlichkeit preiszugeben. Soldaten, die sich von Styroporgrabsteinen bedroht fühlen, verlieren an Respekt und somit auch Macht. (Arash und Arman T. Riahi, derStandard.at, 23.6.2014)

  • Was haben Occupy, die spanischen "Indignados" und der Arabische Frühling gemeinsam? Everyday Rebellion ist ein Dokumentarfilm und Crossmedia-Projekt, das den zivilen Ungehorsam feiert und die Kraft und Vielfalt der kreativen, gewaltlosen Protestmethoden weltweit miteinander in Verbindung setzt.
    foto: everydayrebellion.com

    Was haben Occupy, die spanischen "Indignados" und der Arabische Frühling gemeinsam? Everyday Rebellion ist ein Dokumentarfilm und Crossmedia-Projekt, das den zivilen Ungehorsam feiert und die Kraft und Vielfalt der kreativen, gewaltlosen Protestmethoden weltweit miteinander in Verbindung setzt.

  • Die iranischen Filmemacher und Brüder Arash T. Riahi und Arman T. Riahi sind aufgrund der Tatsache, aus einer politisch verfolgten Familie zu stammen, mit der Idee des politischen und gewaltlosen Widerstands vertraut. Für ihr erstes gemeinsames Projekt "Everyday Rebellion" haben sie eine Plattform aufgebaut, die als permanent wachsende Inspirationsquelle dienen soll. Auf derStandard.at veröffentlichen sie ausgesuchte Videos und Hintergrundinfos zu gewaltlosen Protestaktionen.
    foto: nela märki

    Die iranischen Filmemacher und Brüder Arash T. Riahi und Arman T. Riahi sind aufgrund der Tatsache, aus einer politisch verfolgten Familie zu stammen, mit der Idee des politischen und gewaltlosen Widerstands vertraut. Für ihr erstes gemeinsames Projekt "Everyday Rebellion" haben sie eine Plattform aufgebaut, die als permanent wachsende Inspirationsquelle dienen soll. Auf derStandard.at veröffentlichen sie ausgesuchte Videos und Hintergrundinfos zu gewaltlosen Protestaktionen.

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