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Neue Wege nichts zu tun

23. Juni 2014, 16:08

Kreative Verweigerung in der zeitgenössischen Kunst

Produktivität und Wachstum sind die Prämissen unserer Gegenwart. Arbeitsprozesse werden optimiert, um effizienter zu werden, Arbeitszeiten dereguliert, bis der Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit schwindet. Künstlerische Arbeit folgt scheinbar anderen Kriterien, doch auch in diesem Bereich sind Professionalisierung und Selbstoptimierung auf dem Vormarsch. Was wäre jedoch, wenn das Nicht(s)tun zu einer Quelle produktiver Verweigerung würde?

Neue Wege nichts zu tun widmet sich einer künstlerischen Produktion, die sich der Aktivität, dem Machen und Herstellen eines Werks entgegenstellt und stattdessen Formen des Nichtstuns, des Unterlassens oder der Askese positiv besetzt. Das Unterlassen bringt dabei nicht nur ein kritisches, sondern auch ein schöpferisches Moment hervor. Neue Wege nichts zu tun – der Titel stammt von dem schwedischen Künstler Karl Holmqvist – stellt vor allem Positionen zeitgenössischer Kunst in den Fokus, bei denen das "Nichtstun“ ein eigenes Potenzial in Hinblick auf die Anforderungen (und Zumutungen) einer auf Aktivität und Produktivität konzentrierten Gesellschaft entfaltet: wie in Natalie Czechs Variation über eine Tagebuchnotiz des russischen Avantgarde-Dichters Daniil Charms, der 1937 notiert: "Today I Wrote Nothing. Doesn’t Matter.“

Kunst im Stand-by Modus

Andere Werke in der Ausstellung thematisieren eine künstlerische Arbeit, die auch in der Reflexion darüber, was es heißt, künstlerisch tätig zu sein, bereits Werke schafft. So arrangiert Lasse Schmidt Hansen in seiner Fotoserie Making Things das Mobiliar seines Ateliers immer wieder um, ohne direkt produktiv zu werden. Edith Dekyndt wiederum überträgt das Signal eines "schlafenden“ Computers im Stand-by-Modus in eine Closed-Circuit-Installation, die eine suggestive Ästhetik des Nichtstuns hervorbringt, zugleich aber auch darauf hinweist, dass es das reine "off“ schon längst nicht mehr gibt.

Künstler/innen: Robert Breer, Alejandro Cesarco, Etienne Chambaud, Natalie Czech, Oskar Dawicki, Edith Dekyndt, Mathias Delplanque, Heinrich Dunst, Gardar Eide Einarsson, Marina Faust, Claire Fontaine, Ryan Gander, Lasse Schmidt Hansen, Julia Hohenwarter, Karl Holmqvist, Sofia Hultén, Jiri Kovanda, Rivane Neuenschwander, George Perec/Bernard Queysanne, Superflex, Mario Garcia Torres

Kuratorinnen: Vanessa Joan Müller, Cristina Ricupero

Cristina Ricupero ist freie Kuratorin und Autorin und lebt in Paris. Sie hat zahlreiche Ausstellungen kuratiert, unter anderem in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, dem Witte de With, Rotterdam, und am Stedelijk Museum, Amsterdam.

Vanessa Joan Müller ist Dramaturgin an der Kunsthalle Wien


Alle Informationen zur Ausstellung und das Veranstaltungsprogramm finden Sie auf der Kunsthalle Wien Homepage (www.kunsthallewien.at), sowie auf Facebook (www.facebook.com/KunsthalleWien) und Twitter (www.twitter.com/KunsthalleWien) unter #Nothing.

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    foto: karl holmqvist
    Karl Holmqvist, Untitled (Doing Nothing Wallpaper), 2014
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    foto: natalie czech © bildrecht, wien, 2014, courtesy capitain petzel, berlin und kadel willborn, düsseldorf
    Natalie Czech, Today I wrote nothing. Doesn´t Matter
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    foto: lasse schmidt hansen, foto: simon vogel, courtesy galerie reinhard hauff, stuttgart
    Lasse Schmidt Hansen, Making Things, 2011
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