Klimek vs. Klenk: Presserat weist Beschwerde gegen "Falter" ab

23. Juni 2014, 11:43
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"Falter" zitierte aus einem Facebook-Posting des Fotografen - Presserat sieht keine Verletzung der Privatsphäre

Wien - Der Presserat hat eine Beschwerde von Manfred Klimek gegen den "Falter" abgewiesen. Es konnte kein Verstoß gegen den Ehrenkodex  der österreichischen Presse festgestellt werden.

Konkret ging es bei der Beschwerde um den Artikel "Die Krawallnacht in Wien", der Anfang Februar in der Wiener Stadtzeitung "Falter" erschien. In dem Artikel wurde über die Ausschreitungen beim diesjährigen Akademikerball und die Reaktionen dazu in der virtuellen Welt berichtet.

Facebook-Seite für 4.500 Personen zugänglich

Klimek beanstandete folgende Passage: "Der bekannte Starfotograf Manfred Klimek schreibt zu Beginn der Demo: 'Ich hätte gerne, dass es heute ordentlich brennt.'" Das Zitat stammt von der Facebook-Seite des Beschwerdeführers, die zum damaligen Zeitpunkt 4.500 Personen zugänglich war. Klimek, der mit "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk auf Facebook befreundet war, sieht in dem Zitat eine Verletzung der Privatsphäre.

Der Senat des Presserats hielt fest, dass aus "medienethischer Sicht nicht alle Nachrichten von einem Netzwerkprofil in einem sozialen Medium wie 'Facebook' ohne Zustimmung des Betroffenen in einer Zeitung oder Zeitschrift veröffentlicht werden dürfen".

Privatsphäre wurde nicht verletzt

Journalisten müssten zwischen dem Nachrichtenwert und dem Interesse des Betroffenen am Schutz seiner Privatsphäre abwägen, so der Presserat in einer Aussendung. Im vorliegenden Fall habe sich der Journalist des "Falters" nach Meinung des Senats medienethisch richtig verhalten und eine korrekte Abwägung vorgenommen; die Privatsphäre wurde nicht verletzt, heißt es in der Begründung.

Das Zitat habe ein Thema von großem öffentlichen Interesse betroffen, außerdem habe Klimek seine Stellungnahme vor einem Kreis von ca. 4.500 Personen abgegeben. Klimek, selbst Fotograf und Journalist, habe damit rechnen müssen, dass sein Zitat in der Medienszene wahrgenommen werde.

"Falter" entschuldigte sich

Bei der Beurteilung des Falls wurde dem "Falter" noch zugute gehalten, dass es in einer der nächsten Ausgaben eine Relativierung gab, dass sich der Beschwerdeführer verkürzt zitiert gefühlt habe. Außerdem entschuldigte sich die Redaktion dafür, falls durch die Berichterstattung der Eindruck entstanden sei, dass der Beschwerdeführer zu Gewalttaten gegen Menschen oder Sachbeschädigungen aufgerufen habe. (red, derStandard.at, 23.6.2014)


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