Energieagentur warnt vor Blackout-Gefahr

23. Juni 2014, 10:21
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Der IEA-Chefökonom sorgt sich um die wachsende Abhängigkeit von russischen Gasimporten und bedauert das Nabucco-Aus 

Wien/Paris - Der Mangel an Leitungen und dauerhaft verfügbaren Kraftwerken macht Europas Stromversorgung unsicher, warnt der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA). Wenn die "schwierige Situation" am europäischen Energiemarkt nicht bald gelöst werde, "wird es in einigen Jahren zu Turbulenzen kommen. Blackouts wären die Folge", so Fatih Birol zum "Kurier" (Montag).

Der IEA-Experte ist über die wachsende Abhängigkeit von russischen Gasimporten besorgt. "Sich vor allem auf ein Land zu verlassen, ist schlecht", wird er in der Montagausgabe der Zeitung zitiert. Europa müsse sich dringend um zusätzliche Erdgaslieferanten umsehen - etwa aus dem Kaspischen Raum, dem Nahen Osten oder dem Irak.

Dass das Pipelineprojekt Nabucco, das Gas aus Aserbaidschan durch die Türkei nach Westeuropa bringen sollte, gescheitert ist, bedauert Birol. "Ich bin sicher, dass es schon bald neue Pipelineprojekte geben wird. Und Österreich wird dabei sein."

Europas Ablehnung von Schiefergas sieht der IEA-Ökonom kritisch. Viele Länder hätten solche Gasreserven, sie sollten sie auch nutzen, meint Birol.

Sorge um EU-Strommarkt

Der Experte sorgt sich auch um den europäischen Strommarkt. Der Großhandelspreis für elektrische Energie sei wegen des Überflusses an Ökostrom derart tief gefallen, dass die Versorger ihre Investitionen in neue Kraftwerke gestoppt hätten. "Europa hat viel erneuerbare Energie, aber zu wenig zuverlässige Kraftwerke. Die Gefahr, dass die Lichter ausgehen, ist groß."

Europa müsse seinen Energiemarkt völlig umbauen. Zentrales Element dabei sei die Verstärkung der Leitungen zwischen den Nationalstaaten. Derzeit gebe es zu viele Engpässe, die den Stromaustausch und vor allem den Abtransport der Wind- und Sonnenenergie verhinderten. Weiters müsse Europa seinen Strom- und Gasverbrauch senken - Stichwort Energieeffizienz. (APA, 23.6.2014)

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    foto: apa/julian stratenschulte
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