Greenpeace verlor nach Währungsgeschäft Spender

23. Juni 2014, 08:38
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Umweltschutzorganisation will Schwerpunkt künftig in Schwellenländer verlegen - Egit: "Ursachen der Umweltzerstörung sind nicht mehr primär in Europa und den USA zu sehen"

Hamburg - Nach dem Bekanntwerden von Millionenverlusten bei Währungsgeschäften hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace in Österreich rund 200 und in Deutschland rund 700 Förderer verloren. "Es hat aber auch viele zusätzliche Spenden gegeben, von Menschen, die sich gerade jetzt in dieser schwierigen Situation solidarisch zeigen", sagte ein Sprecher von Greenpeace Österreich am Sonntag gegenüber der APA.

Bei Greenpeace International in Amsterdam hatte ein mittlerweile entlassener Mitarbeiter eigenmächtig Währungsgeschäfte betrieben, die zu einem Verlust von 3,8 Millionen Euro führten. Österreichische Spendengelder waren laut Greenpeace Österreich nicht von dem Vorfall betroffen. Diese werden zudem jeweils zweckgebunden für Kampagne eingesetzt, so Schweitzer weiter. Über den Verlust und den Rückzug der Förderer in Deutschland hatte zuerst der "Spiegel" berichtet, dort wird Greenpeace von rund 600.000 Geldgebern unterstützt. Rund 110.000 Personen unterstützen Greenpeace Österreich.

Schwerpunkt verlegen

Der deutsche Kommunikationsdirektor Michael Pauli bestätigte der dpa, dass die Organisation insgesamt rund 90 Millionen Euro für das Fundraising, also das Spendensammeln, ausgebe - "um 300 Millionen Euro Einnahmen weltweit zu erhalten. Wir sehen das positiv." Nach dem Bericht des Nachrichtenmagazins befindet sich die Umweltschutzorganisation insgesamt in einem Umbruch. Ziel sei es, den Schwerpunkt der Arbeit, der traditionell in den Industrieländern lag, in Länder wie Brasilien, China, Indien und nach Afrika zu verlegen. Es gehe nicht nur darum, in Schwellenländern die Lebensbedingungen zu verbessern. Wenn die Herstellung von Textilien in China verbessert, schadstoffärmer und sauberer werde, profitierten auch die Menschen in Deutschland davon, sagte der Sprecher.

Greenpeace habe sich bereits 2013 entschlossen, einen groß angelegten Veränderungsprozess umzusetzen, hieß es in einer Stellungnahme des österreichischen Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit, die am Sonntag auf die Homepage der Umweltorganisation gestellt wurde. "Die Ursachen der Umweltzerstörung sind nicht mehr primär in Europa und den USA zu sehen. Vor allem die aufstrebenden Länder des globalen Südens wie China, Indien oder Brasilien, haben einen immer höheren Anteil an den globalen Umweltproblemen", so Egit. Daher sei es das Ziel dieses Prozesses, der globalen Charakteristik vieler Umweltprobleme gerecht zu werden.

Botschafter in Sachen Klimawandel

Diese Neuausrichtung sei weltweit aber nicht mit einem Stellenabbau verbunden, betonte wiederum Pauli. "Dass so ein Umstrukturierungsprozess nicht ohne Reibungen verläuft, ist normal in einer Organisation, in der ziviler Widerstand dazugehört. Wir leben von der kulturellen Vielfalt." Das Magazin schrieb dagegen, die Zentrale sei "in Auflösung begriffen". Greenpeace-Chef Kumi Naidoo verstehe sich weniger als Verwalter, eher als Botschafter in Sachen Klimawandel.

Vorgesehen ist nach Angaben des Kommunikationsdirektors, dass Umweltschutz-Kampagnen künftig nicht mehr allein von der Zentrale in Amsterdam aus gesteuert werden, sondern sich Büros mit ihrem Expertenwissen dafür zusammenschließen und Teams bilden. So könnten beispielsweise die Aktivisten in Frankreich oder Polen von der Anti-Atomkraft-Erfahrung in Deutschland besser profitieren. Die Organisation werde nicht an Schlagkraft verlieren, unterstrich Pauli. Weltweit beschäftigt Greenpeace 2.000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern. (APA, 23.6.2014)

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