Geheimfavorit Belgien jetzt noch geheimer

22. Juni 2014, 19:59
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Belgien trägt an der Rolle des Geheimfavoriten verteufelt schwer. Dem mühsamen Auftaktsieg über Algerien folgte in Gruppe H ein glücklicher Erfolg gegen Russland, der den Aufstieg ins Achtelfinale brachte

Rio de Janeiro - Die Fähigkeit, einen Fehler nicht zweimal hintereinander zu begehen, schmückt auch jeden Fußballtrainer. Also ließ Marc Wilmots, der Coach der Belgier, im zweiten Spiel der "Roten Teufel" Marouane Fellaini und Dries Mertens statt des Tottenham-Duos Moussa Dembele und Nacer Chadli von Beginn an wirken, auf dass die Schlagerpartie gegen Russland nicht zu einer ähnlichen Nervenprobe ausarte wie das Auftaktspiel gegen Algerien. Das hatten die Herren von Manchester United und Napoli durch ihre Tore zu einem Zeitpunkt auf 2:1 gedreht, als der Geheimfavorit der Weltmeisterschaft erstmals so richtig geheim zu werden drohte.

Vor allem der 24-jährige Mertens sorgte von Beginn an für viel Betrieb gegen die Truppe von Fabio Capello, die sich mit dem mageren 1:1 gegen Südkorea im ersten Spiel schon selbst ordentlich unter Druck gesetzt hatte. Zunächst suchte Mertens nach Vorlage von Kevin de Bruyne nicht den Abschluss (14.), dann verfehlte er das Tor mit einem Schuss (20.). Mitten in der belgischen Drangperiode bediente Referee Felix Brych die russische Elf - nach einer Attacke von Toby Alderweireld an Maxim Kannunikow hätte der Deutsche durchaus auf Elfmeter entscheiden können. Aber nur der Videobeweis hätte ihn ganz sicher gemacht.

Die Belgier wirkten auch danach überlegen - Mertens scheiterte einmal noch an Goalie Igor Akinfejew -, aber je mehr Minuten im zunehmend stimmungsloseren Maracanã verstrichen, desto mutiger wurden die Russen. Wiktor Faisulin traf zunächst volley nicht das Tor. Kurz vor dem Pausenpfiff hätte der Führungstreffer gelingen müssen. Der von den Belgiern vernachlässigte Alexander Kokorin setzte nach Flanke von Denis Gluschakow einen Kopfball vom Fünfer aus neben die Stange.

Königlicher Schlaf

Wilmots zog aus der Misere zunächst keine Konsequenzen, ließ sogar den völlig in der Luft hängenden Romelu Lukaku weiter sich an vorderster Front verstecken. Auf der Tribüne drohte Belgiens Königspaar Philippe und Mathilde neben Fifa-Boss Joseph Blatter einzuschlafen, nur das einsetzende Pfeifkonzert brachte etwas Leben ins Maracanã. Ja, und in die Russen, die langsam überzuckerten, dass die Belgier gewillt schienen, sich mit dem torlosen Remis zufriedenzugeben. Aber Verteidiger Andrej Jeschtschenko verfehlte mit einem Schuss (81.).

Dennoch wendete sich für den Favoriten noch alles zum Guten. Erst traf Kevin Mirallas, für Mertens gekommen, aus einem Freistoß nur die Stange (85.). Auch Chelseas Jungstar Eden Hazard erwachte, und Divock Origi, für Lukaku eingewechselt, netzte noch zum belgischen Erfolg (88.).

"Wenn wir Weltmeister werden, rasiere ich mir den Schädel", hat Wuschelkopf Fellaini vor dem Turnier gesagt. Die Haarpracht wirkt nicht sehr gefährdet. (red, DER STANDARD, 23.6.2014)

Gruppe H (2. Runde):

Belgien - Russland 1:0 (0:0). Rio de Janeiro, Maracanã, 74.700 (ausverkauft), SR Brych/GER.

Tor: 1:0 (88.) Origi

Belgien: Courtois - Alderweireld, Van Buyten, Kompany, Vermaelen (31. Vertonghen) - Witsel, Fellaini - Mertens (75. Merallas), De Bruyne, Hazard - Lukaku (57. Origi)

Russland: Akinfejew - Koslow (62. Jeschtschenko), Beresuzki, Ignaschewitsch, Kombarow - Gluschakow, Faisulin - Samedow (90. Kerschakow), Kannunikow, Schatow (83. Dsagojew) - Kokorin

Gelbe Karten: Witsel, Alderweireld bzw. Gluschakow

  • Belgien kann es auch bieder.
    foto: epa/weiken

    Belgien kann es auch bieder.

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