Das Land, das sich verschaukelt fühlt

22. Juni 2014, 18:07
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Debütant Bosnien-Herzegowina sucht die Schuld beim Referee - und bei sich selbst

Cuaibá - Nach dem vorzeitigen WM-Aus Bosnien-Herzegowinas kochte Edin Dzeko vor Wut. Der Stürmerstar versuchte gar nicht erst, seinen Ärger hinunterzuschlucken - der Frust saß viel zu tief. "Wir fahren jetzt nach Hause, wir sind auch traurig deswegen - aber der Schiedsrichter sollte auch nach Hause fahren", sagte Dzeko nach dem 0:1 gegen Nigeria und ließ keinen Zweifel daran, wen er für den Hauptschuldigen hielt: "Der Schiedsrichter hat das Resultat verändert, hat das Spiel verändert - deswegen haben wir verloren. Er war eine Schande."

Auslöser für die Wut des Stürmers vom englischen Meister Manchester City auf den Neuseeländer Peter O'Leary waren zwei Szenen innerhalb von nur wenigen Minuten. Zunächst erkannte der Referee ein regelkonformes Tor Dzekos wegen Abseits nicht an (22.), dann wollten die Bosnier vor dem spielentscheidenden Tor durch Peter Odemwingie (29.) ein Foul am Leverkusener Emir Spahic gesehen haben.

Treffer war regelkonform

Zumindest über die zweite Szene konnte man diskutieren - über die erste nicht. Dzekos Treffer war regelgerecht. Bereits vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen den Iran kann das Team von Safet Susic das Achtelfinale nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel nicht mehr erreichen.

Und wie Dzeko fühlte das ganze Land. Zehntausende hatten in der Heimat des WM-Debütanten mitgefiebert, Bosnien-Herzegowina trug Blau-Gelb. "Niederlage gegen Nigeria: Wir wurden beraubt! Die Schuld an der Niederlage gegen Nigeria tragen der neuseeländische Schiedsrichter und auch unsere Topstars, die absolut nichts gezeigt haben", schrieb die Tageszeitung Dnevni avaz.

Was wäre, wenn

"Es schmerzt schon sehr, wir wollten auf jeden Fall weiterkommen", sagte der Stuttgarter Vedad Ibisevic. "Wenn es anders gepfiffen worden wäre, vielleicht läuft das Spiel ganz anders." Auch Sejad Salihovic war geknickt: "Was soll man machen? Er war einen Meter nicht im Abseits, keine Ahnung, was der Linienrichter sah."

Das Ausscheiden alleine dem Schiedsrichtergespann anzulasten, wäre aber falsch. Zu keinem Zeitpunkt des Spiels konnten die in der Offensive einfallslosen Bosnier an die gute Leistung beim 1:2 gegen Argentinien anknüpfen.

"Wenn unsere besten Spieler ihre Topleistung bringen, können wir jeden schlagen. Wenn sie das nicht tun, dann können wir das nicht", sagte Trainer Susic. Ein Stangentreffer von Dzeko in der Nachspielzeit war fast die einzige hochkarätige Chance der Bosnier in der zweiten Hälfte - O'Leary hatte zuvor ein Handspiel Dzekos übersehen.

Auch Susic, WM-Teilnehmer für Jugoslawien 1990, kommentierte die strittige Szene. "Es wurde mir gesagt, dass es kein Abseits war, aber es war nicht das erste Mal, dass ein Referee bei dieser WM einen Fehler gemacht hat - und es war auch sicher nicht das letzte Mal." (sid, DER STANDARD, 23.6.2014)

  • Edin Dzeko traf, doch der Schiedsrichterassistent hatte sich verschaut.
    foto: apa

    Edin Dzeko traf, doch der Schiedsrichterassistent hatte sich verschaut.

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