Deutsche Justiz stellt Verfahren gegen Auschwitz-Wachleute ein

22. Juni 2014, 17:27
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Verdächtige sind zwischen 88 und 94 Jahre alt - Überlebende protestieren

Oswiecim/Berlin - Das Internationale Auschwitz-Komitee kritisiert Berichte über die Einstellung von Justizverfahren gegen mutmaßliche Auschwitz-Wachleute als "skandalös". "Offensichtlich ist der Mitleidbonus, der den "greisen" Tätern entgegengebracht wird, hoch", sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident der Organisation von Überlebenden des deutschen Vernichtungslagers, am Sonntag.

Nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" haben die Ermittler in mehreren Bundesländern 11 der 30 Verfahren eingestellt, die Anfang des Jahres eingeleitet worden waren, weil die mutmaßlichen NS-Verbrecher größtenteils nicht mehr verhandlungsfähig sind. Beschuldigt werden ehemalige SS-Leute im Alter von 88 bis 94 Jahren, die während des Zweiten Weltkrieges in Auschwitz Dienst geleistet haben sollen.

"Dieses jahrzehntelange juristische Versagen Deutschlands bleibt ein fortwährender Skandal", so Heubner. "Damit bleibt die Zahl der Auschwitz-Täter, die sich jemals vor Gericht verantworten mussten, lächerlich gering", sagte er mit Blick auf die rund 1,3 Millionen in Auschwitz ermordeten Menschen. "Zum lebenslangen Leid der Überlebenden steht das in keinem Verhältnis." In der deutschen Öffentlichkeit werde dagegen immer wieder das Drängen der Überlebenden auf Gerechtigkeit - auch durch Verfahren gegen hochbetagte Täter - als "nicht endender Rachedurst denunziert", klagte der Funktionär des Auschwitz-Komitees. "Das ist eine zynische Unverschämtheit." (APA, 22.6.2014)

  • Stacheldrahtzaun im Konzentrationslager Auschwitz
    foto: leszek szymanski/dpa

    Stacheldrahtzaun im Konzentrationslager Auschwitz

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