Seekarten um zwei neuentdeckte Unterwasserberge ergänzt

22. Juni 2014, 17:20
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Nelson Mandela und eine Romanfigur aus dem Umfeld von "Käpt’n Blaubär“ standen bei der Namenswahl Pate

Bremerhaven – "Madiba Seamount" und "Nachtigaller Shoal": Das sind die Namen zweier Unterwasserberge, die von nun an die Seekarten des Südatlantiks und des antarktischen Weddellmeers ergänzen.

Wie das Alfred-Wegener-Institut (AWI) berichtet, folgte das zuständige Sub-Committee on Undersea Feature Names (SCUFN) der internationalen General Bathymetric Chart of the Oceans damit den Vorschlägen von zwei AWI-Wissenschaftern, die die Berge im vorigen Jahr bei einer Expedition in die Antarktis entdeckt hatten.

Gedenken an Nelson Mandela

Auf seinem Weg von Kapstadt ins Südpolarmeer passierte der Forschungseisbrecher "Polarstern" die Spitze eines Unterwasserberges. "Hätte das Fächerecholot nur den Rand des Berges gestreift, wäre er unter Umständen unentdeckt geblieben“, erzählt der Bathymetriker Jan Erik Arndt. Dabei hebt sich der Gipfel 1.920 Meter über den Meeresboden und ist in seiner Höhe somit vergleichbar mit Bergen der Alpen – allerdings liegt sein höchster Punkt auch knapp 3.500 Meter unter dem Meeresspiegel.

"Nelson Mandela ist in dem Zeitraum unserer Expedition verstorben und als sein Clan- und Spitzname, Madiba, als Vorschlag einging, waren wir uns schnell einig, ihn mit dieser Neuentdeckung zu ehren. Schließlich startete und endete unsere Expedition auch in Südafrika“, erklärt Arndt die erste Namenswahl.

alfred-wegener-institut, helmholtz-zentrum für polar- und meeresforschung
Animierte Unterwasserfahrt zum Nachtigaller Shoal.

Der zweite neue Name ist nicht nur außerhalb Deutschlands weniger prominent, er folgt auch einer verschlungeneren Herleitung: Im Februar 2013 hatte Boris Dorschel, Leiter der Bathymetrie am AWI, auf einer Polarstern-Expedition ins Weddellmeer einen bis dahin unbekannten Unterwasserberg erkundet, der bis dicht unter die Meeresoberfläche reichte.

"An seiner flachsten Stelle lag der Berg nur 16 Meter unter dem Meeresspiegel und damit knapp fünf Meter unter dem Kiel der Polarstern. Wäre die Erhebung in einer Seekarte eingezeichnet gewesen, hätten wir diese Untiefe gemieden", so Dorschel. Umso wichtiger war es, die Neuentdeckung zu kartieren.

"Aufgrund der Eisbedeckung mussten wir während der Erkundung immer wieder den Kurs ändern. Dadurch ist eine Aufzeichnung entstanden, die mich an die Romanfigur Prof. Dr. Abdul Nachtigaller aus den '13½ Leben des Käpt’n Blaubär' erinnert hat“, erklärt Dorschel den Ursprung von "Nachtigaller Shoal“. "Der Name erschien uns als sehr passend, da Prof. Dr. Nachtigaller sein Leben der Erforschung ungeklärter Mysterien widmet und dafür in die entlegensten Gebiete auf unserer Erde reist – vor allem an dunkle und lebensfeindliche Orte."

Neuentdeckungen immer noch möglich

Käpt’n Blaubär & Co sind Geschöpfe des deutschen Comicautors Walter Moers, dessen Einverständnis die Forscher vor der offiziellen Einreichung des Namensvorschlags einholten. Moers war vor allem überrascht: "Ich hatte ja keine Ahnung, dass heutzutage noch ganze Berge unentdeckt sein können."

Für Arndt hingegen ist dies nichts Neues: "Bis heute sind weniger als zehn Prozent der Unterwasserlandschaften unserer Meere erkundet und mit einem Namen versehen worden. Wenn man abseits der normalen Seerouten fährt, kann man deshalb durchaus noch Neuentdeckungen machen.“ (red, derStandard.at, 22. 6. 2014)

  • Der Madiba Seamount im Südatlantik. "Seamount" steht für eine gleichmäßig geformte Erhebung, die sich mehr als 1.000 Meter von ihrer Umgebung abhebt.
    grafik: jan erik arndt / alfred-wegener-institut

    Der Madiba Seamount im Südatlantik. "Seamount" steht für eine gleichmäßig geformte Erhebung, die sich mehr als 1.000 Meter von ihrer Umgebung abhebt.

  • Nachtigaller Shoal: Eine oberflächennahe Erhebung im Weddellmeer, die eine potenzielle Gefahr für Schiffe darstellen kann.
    grafik: jan erik arndt / alfred-wegener-institut

    Nachtigaller Shoal: Eine oberflächennahe Erhebung im Weddellmeer, die eine potenzielle Gefahr für Schiffe darstellen kann.

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