Spanien will noch einmal Spanien sein

22. Juni 2014, 16:25
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Das letzte Match des Weltmeisters von 2010 ist etwas für Nostalgiker

Curitiba - Trainer Vicente del Bosque hört vielleicht auf, Xavis Zeit ist abgelaufen, Xabi Alonso tritt zurück, Iker Casillas und David Villa stehen vor dem Abschied. Die Goldene Generation Spaniens verlässt nach dem kläglichen WM-Aus mit dem erdenklich tristesten Spiel am tristesten Ort der Endrunde die große Bühne. Das letzte Spiel des Weltmeisters heute, Montag (18 Uhr), in Curitiba gegen Australien wird zur Randnotiz eines Turniers, in dem das bestimmende Team des vergangenen Jahrzehnts nur noch eine bemitleidenswerte Kopie glorreicher Zeiten war.

Immerhin: Schönreden will im Lager der "Seleccion" niemand das Abschneiden mit den Niederlagen gegen die Niederlande (1:5) und Chile (0:2). "Wir haben bei dieser WM geschlossen versagt. Die Alten, die Jungen, die Trainer", sagte Coach del Bosque: "Es ist alles unsere Schuld." Doch was sind die Lehren aus dem Scheitern Spaniens, das zwischen 2008 und 2012 die Fußballwelt beherrscht hat und dessen zwei Hauptstadtklubs das Champions-League-Finale 2014 bestritten?

Spanien könnte, glauben Kritiker, in jene Bedeutungslosigkeit zurückfallen, in der es zwischen den EM-Titeln 1964 und 2008 dahinsiechte. Das hemmungslose Schuldenwettrennen zwischen Real Madrid und Barça hat die Liga ruiniert, die Talente aus der U21, die seit Jahren in Europa alles abräumt, versanden auf dem Weg ins Nationalteam irgendwo zwischen Albacete und Saragossa.

So kommt es gegen die starken Australier sozusagen zu einem Nostalgiematch. Xavi kann noch einmal zeigen, was er am Ball kann, Casillas kann sagenhafte Reflexe auspacken, David Villa kann an den großen David Villa erinnern. In Spanien werden es die Fans mit Tränen in den Augen verfolgen. Eine solche Generation wird es nicht mehr geben. Nicht in naher Zukunft. (sid, fri, DER STANDARD 23.6.2014)

Gruppe B (3. Runde):

Australien - Spanien (18.00 Uhr MESZ, Curitiba, Baixada Arena, SR Nawaf Shukralla/BRN)

Australien: 1 Ryan - 19 McGowan, 6 Spiranovic, 22 Wilkinson, 3 Davidson - 17 McKay, 15 Jedinak - 10 Halloran, 13 Bozanic, 11 Oar - 7 Leckie

Ersatz: 12 Langerak, 18 Galekovic - 8 Wright, 16 Holland, 20 Vidosic, 21 Luongo, 9 Taggart, 14 Troisi

Es fehlen: 2 Franjic (Muskelriss im Oberschenkel), 5 Milligan (Oberschenkelverletzung), 4 Cahill (gesperrt), 23 Bresciano (Rückenprobleme)

Teamchef: Ange Postecoglou

Spanien: 1 Casillas - 5 Juanfran, 2 Albiol, 4 Martinez, 18 Alba - 14 Alonso, 16 Busquets - 21 Silva, 8 Xavi, 6 Iniesta - 7 Villa

Ersatz: 23 Reina, 12 De Gea - 22 Azpilicueta, 3 Pique, 15 Ramos, 10 Fabregas, 17 Koke, 20 Cazorla, 11 Pedro, 13 Mata, 9 Torres, 19 Costa

Fraglich: Pique (Adduktorenprobleme), De Gea (Muskelprobleme im Gesäßbereich)

Teamchef: Vicente del Bosque

  • Die Stimmung im spanischen Training war schon mal besser.
    foto: apa/ap/fernandez

    Die Stimmung im spanischen Training war schon mal besser.

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