Karussell mit fixen Sätteln und Schleuderstühlen

22. Juni 2014, 16:06
9 Postings

Dem Schweizer Teamchef Ottmar Hitzfeld und Kameruns Volker Finke droht Unheil. Spaniens Vicente del Bosque und Englands Roy Hodgson indes könnten im Amt bleiben. 15 Verträge von WM-Trainern laufen aus

Rio de Janeiro - Schneller als gedacht hat es sich zu drehen begonnen, das traditionelle Karussell der WM-Trainer. Das liegt auch und vor allem am flotten Scheitern der, nun ja, Großmächte England und Spanien. Die englischen Fans würden Roy Hodgson am liebsten sofort verabschieden, auch Vicente del Bosque hat nach dem Debakel von Weltmeister Spanien seinen Rücktritt angeboten. So blicken also zumindest zwei prominente Trainer bei der WM trotz laufender Verträge in eine ungewisse Zukunft.

Nach der schlechtesten WM seit 56 Jahren sprach zwar Englands Verbandsboss Greg Dyke dem angeschlagenen Hodgson eine Jobgarantie aus: "Wir wollen, dass Roy bleibt und weitermacht." Doch die Fans sehen das anders: 61 Prozent forderten in einer Umfrage des Daily Mirror den Rauswurf des Teammanagers, der noch einen Vertrag bis 2016 hat. Als Nachfolger wünscht man sich Harry Redknapp, der kürzlich mit den Queens Park Rangers in die Premier League aufstieg.

Weltmeistercoach del Bosque will nach dem abrupten Ende der goldenen spanischen Ära einem Neuanfang nicht im Weg stehen. "Wenn ich zur Belastung für unseren Fußball werde, trete ich zurück", sagte der 63-Jährige schon vor dem letzten WM-Auftritt am Montag in Curitiba gegen die ebenfalls ausgeschiedenen Australier. "Wir müssen tun, was für alle das Beste ist." Generalsekretär Jorge Pérez vom Verband RFEF will dem Welt- und Europameistermacher, der bis 2016 unter Vertrag steht, den Rücktritt noch ausreden: "Wir bitten ihn zu bleiben. Es gibt keinen Besseren."

Dass Ottmar Hitzfeld bald Pensionist sein wird, ist klar. Doch vielleicht ist schon das dritte Vorrundenspiel seiner Schweizer "Nati" am Mittwoch in Manaus gegen Honduras sein letztes - und unrühmliches Ende einer Karriere mit sieben Bundesliga-Titeln und zwei Champions-League-Triumphen. "Ich gehe davon aus, dass es nicht mein letztes ist", sagte der 65-Jährige nach dem 2:5 gegen Frankreich. "Wir werden gewinnen, so einfach ist das."

Volker Finke indes spielt auf Zeit. Der 66-jährige Deutsche, der im Mai 2013 in Kamerun für zwei Jahre unterschrieb, steht nach dem 0:4 gegen Kroatien und den Undiszipliniertheiten der unzähmbaren Löwen unter Beschuss. "Er ist inkompetent", urteilte Kameruns Ikone Roger Milla. "Es ist nicht der Moment, über solche Dinge zu sprechen", entgegnete Finke.

15 Verträge laufen nach der WM aus, ihren Abschied angekündigt haben bislang aber erst vier Trainer. Neben Hitzfeld geben Oranje-Bondscoach Louis van Gaal, der Manchester United übernimmt, sowie die Portugiesen Fernando Santos (Griechenland) und Carlos Queiroz (Iran) ihre Jobs auf. Am sichersten im Sattel sitzen Belgiens Marc Wilmots, Russlands Fabio Capello, Jürgen Klinsmann in den USA und Ange Postecoglou in Australien, die bis 2018 unter Vertrag stehen. Der DFB hat Bundestrainer Joachim Löw bis 2016 an sich gebunden. (sid, fri, DER STANDARD, 23.6.2014)

  • Schweiz-Trainer Hitzfeld vor dem letzten Gruppenspiel: "Wir werden gewinnen, so einfach ist das."
    foto: apa/epa/klaunzer

    Schweiz-Trainer Hitzfeld vor dem letzten Gruppenspiel: "Wir werden gewinnen, so einfach ist das."

Share if you care.