Mercedes-Doppelsieg in Spielberg

22. Juni 2014, 15:50
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Nach einem Präludium mit Misstönen endete der Grand Prix von Österreich, der erste seit elf Jahren, programmgemäß. Nico Rosberg gewann vor Lewis Hamilton. Und natürlich wurde Dietrich Mateschitz viel gedankt

Spielberg – Die Hymne ohne Töchter hat Andreas Gabalier interpretiert, nach eigener Fasson – eigen halt. Sind, mag sich der Alpenrocker geheißene gedacht haben, ohnehin mehr Söhne als Töchter unter den rund 90.000 in Spielberg, die das Rennen am Ring erleben, wenn auch nicht immer sehen sollten. Es war recht spektakulär, weil das Qualifying eine für die Saison untypische Startreihenfolge zeitigte: Vor dem WM-Führenden Rosberg parkten der Brasilianer Felipe Massa und der Finne Valtteri Bottas ihre Williams, für Massa war es die 16. Pole Position, die erste seit sechs Jahren. Hamilton stand nur auf Position neun, Vierfachweltmeister Sebastian Vettel gar auf 12.

Dass es kein Wochenende für Red Bull war, kann man so nicht sagen, schließlich wurde vor, während und nach dem Rennen auf dem Red Bull-Ring Dietrich Mateschitz ausführlich gedankt. Er hat schließlich für die Rückkehr der Formel 1 in die Steiermark, ja nach Österreich gesorgt. Da konnte nicht einmal Kommentator Ernst Hausleitner umhin unmittelbar vor dem Start aus vollem Herzen "Danke Didi!“ zu sagen.

Red Bulls Ballast

Danach kamen Massa, Bottas und Rosberg recht gut, Hamilton aber sensationell weg – quasi der Grundstein zum Doppelsieg. Da zeichnete sich schon das Debakel für Red Bull ab. Daniel Ricciardo, davor Sieger in Montreal, verlor beim Start Terrain, in Vettels Boliden streikte die Elektronik. Zur Hälfte des Rennens, nachdem er sich auch noch einen Frontflügel ruiniert hatte, stieg der Deutsche frustriert aus. Während Ricciardo einem enttäuschenden achten Platz entgegensteuerte, hatte Vettel "nicht viel Lust, zu reden. Ich stehe hier und mache keine Punkte, das ist bitter.“

Mit dem ersten Boxenstopp bremste Rosberg Massa aus, der wenig später auch Hamilton auf der Strecke passieren lassen musste. Nur ein bisschen länger wehrte sich Bottas. Hamilton, der beim Start von Rang neun auf fünf nach vorn geschossen war, hing hinter dem Finnen fest. An der Spitze fuhr derweil Sergio Perez im Force India, der nicht zum Reifenwechsel gekommen war. In der 27. Runde war es dann aber für den Mexikaner vorbei mit dem Sammeln von Führungskilometern. Nacheinander schnappten sich Rosberg, Bottas und wenig später auch Hamilton Perez.

Keine Stallorder

Mit dem zweiten Boxenstopp war Mercedes endgültig Herr am Ring, eine interne Hierarchie verweigerte aber die Teamleitung um Toto Wolff trotz Rosbergs Insistieren konsequent: "Du kämpfst mit Lewis bis zum Ende“, lautete die Anweisung für den 28-Jährigen, der die Vorgabe bestmöglich umsetzte. Schließlich lagen 1,9 Sekunden zwischen ihm und dem dann sichtbar leicht genervten Briten, der in der WM nach acht von 19 Rennen, nach sechs Doppelsiegen für Mercedes, 29 Zähler Rückstand hat. Vettel liegt als Fünfter 105 Punkte zurück.

Hamilton nahm nach einer Abkühlphase reserviert Glückwünsche für seinen Blitzstart entgegen. Rosberg lobte nach seinem dritten Saisonsieg, dem sechsten der Karriere die Strecke als „toll“, die Fans als „super“, die Kulisse als „gigantisch. Das war ein Highlight der Saison.“ Die Belästigung durch den Teamkollegen im Finale nannte er einen „coolen Fight, aber ich wusste bald, dass er nicht schnell genug war, um noch einen Angriff zu starten.“

Wolff, der Motorsportchef der beiden, hob die Schwierigkeit hervor, Williams in Schach zu halten. Red Bull brauchte er diesmal nicht zu erwähnen. Vielleicht wieder in zwei Wochen, wenn in Silverstone der Grand Prix eins nach dem wirklich dankenswerten Österreich-Comeback steigt. (Walter Müller, DER STANDARD, 22.6.2014)

Ergebnis: GP von Österreich 

  • Mercedes fährt auch in der Steiermark vorne weg.
    foto: epa/bandic

    Mercedes fährt auch in der Steiermark vorne weg.

  • Nico Rosberg streicht sich durch sein verschwitztes Haar und lobt Österreich.
    foto: apa/techt

    Nico Rosberg streicht sich durch sein verschwitztes Haar und lobt Österreich.

  • Red Bull floriert, nur nicht in der Box.
    foto: apa/techt

    Red Bull floriert, nur nicht in der Box.

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