Warum Amazons "Fire Phone" kein Erfolg wird

22. Juni 2014, 14:20
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Das Gerät kann es in Sachen Preis und Technik nicht mit der Konkurrenz aufnehmen

Mit seinen Kindle-E-Readern und dem Kindle Fire-Tablets mischt der Online-Handelsriese Amazon bereits in zwei Gerätekategorien erfolgreich am Markt mit. Doch der Konzern will seine Sphäre ausweiten und hat heuer bereits eine Settop-Box namens Fire TV präsentiert. Dem folgte kürzlich ein schon lange erwarteter Schritt mit der Veröffentlichung des ersten Smartphones.

Dabei gab sich Firmenchef Jeff Bezos bei der Vorstellung des Fire Phone ganz und gar nicht bescheiden. Man wolle es mit Apples iPhone aufnehmen, hieß es. Eine gute Kamera, 3D-Effekte dank Infrarotkameras und Features wie den Produkterkennungsmechanismus "Firefly" sollen die Hosentaschen der Nutzer erobern. Doch die Chancen stehen schlecht, meint man bei Android Authority, und liefert ein Reihe von Gründen, warum Amazons Smartphone kein Erfolg werden will.

Preis

Da wäre zum Einen der Preispunkt. Amazon bietet das Fire Phone als Vertragsgerät in den USA zumindest vorerst exklusiv über den Provider AT&T an. Mit zweijähriger Bindung werden dort 199 Dollar für die kleinere Version mit 32 GB fällig. Gleich viel zahlt, wer sich dort ein iPhone 5S in der 16 GB-Fassung oder Samsungs Galaxy S5, ebenfalls mit 16 GB sowie microSD-Slot, holt. Ohne Providerbindung kostet das Fire Phone 649 Dollar.

Damit ist Amazon in den preislichen Gewässern der Konkurrenzflaggschiffe unterwegs, bietet aber abseits von Kamera und 3D-Features die schwächere Hardware. Sowohl das Galaxy S5, das HTC One M8 und das LG G3 bieten größere Displays und höhere Pixeldichte sowie flottere Prozessoren. Gleichzeitig entspricht die Bepreisung auch nicht Amazons bisheriger Strategie, Kunden mit günstigen Geräten anzulocken und hauptsächlich über das eigene Ökosystem Gewinn zu machen.

Ökosystem

Mit Instant-Tech-Support per Mayday hat das Fire Phone ein interessantes Feature für weniger technikversierte Nutzer im Ärmel. Nett ist auch die Option, Inhalte per FireTV oder Miracast zu streamen. "Firefly" erkennt zudem auch TV-Serien, Filme und Musik und gewährt den Käufern des Smartphones passend dazu ein einjähriges Gratisabo für das Contentangebot von Amazon Prime.

Die genannten Features gibt es aber, zumindest teilweise, in App-Form bereits auf anderen Plattformen. Gleichzeitig verliert Amazon den Vergleich der Ökosysteme mit Google und Apple hinsichtlich Apps. Mit einer Viertelmillion Einträge ist das Angebot deutlich schmaler, als das der Konkurrenz. Für viele Nutzer sind zudem Google-Apps wie Maps wichtig, doch die sucht man dort vergeblich.

Kinderkrankheiten

Das 3D-Feature "Dynamic Perspective" könnte außerdem Fehler wiederholen, die Apple bei der Einführung von iOS 7 unterlaufen sind. Ähnliche Funktionen führten dort dazu, dass einige Nutzer sich wegen Übelkeitserscheinungen beschwerten. Gleichzeitig drohen auch noch andere Kinderkrankheiten – laut Ars Technica gibt es etwa Probleme, wenn zwei Gesichter zu nahe am Telefon sind.

Zielgruppe

Insgesamt stellt sich die Frage, auf wen es Amazon mit dem Fire Phone abzielt. Ist es ein Versuch, im Smartphone-Geschäft unter die großen der Branche vorzurücken, ist das Scheitern wohl vorprogrammiert. Möglicherweise will Bezos damit aber eigentlich treue Amazon-Stammkunden bedienen, könnte es vielleicht funktionieren. Alle anderen können auf ihren Android-Smartphones Amazon-Dienste wie die Kindle-App als auch den Amazon-Appstore ohne weiteres installieren.

Im Moment ist das Amazon-Handy aber ohnehin mehr als Testballon zu verstehen. So wie einst die Kindle-Devices dürfte das Gerät auf absehbare Zeit nur in den USA zu haben sein. Eine Ablöse es iPhones als erfolgreichstes Telefonmodell ist jedenfalls nicht in Sicht. (red, derStandard.at, 22.06.2014)

  • Das Fire Phone dürfte nur wenig Chancen gegen aktuelle Flaggschiffe der Konkurrenz haben.
    foto: reuters

    Das Fire Phone dürfte nur wenig Chancen gegen aktuelle Flaggschiffe der Konkurrenz haben.

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