GM-Chefs wurden 2002 vor Problemen gewarnt

22. Juni 2014, 12:29
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Problem mit Zündschlössern soll schon zehn Jahre lang bekannt gewesen sein

Detroit - Gegen den Autobauer General Motors gibt es neue Vorwürfe der Mängel-Verschleierung. Der damalige Chef der internen GM-Qualitätsprüfung, William McAleer, warnte 2002 in einem Brief an alle zwölf GM-Verwaltungsdirektoren, es würden regelmäßig Fahrzeuge mit ernsthaften Sicherheitsproblemen vom Band laufen. Der Konzern müsse die Auslieferung solcher Fahrzeuge deshalb stoppen.

Mutmaßlich unsichere Autos sollten außerdem zurückgerufen werden, hieß es in den Briefen, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, weiter. Die Opel-Mutter GM hat 2014 bereits mehr als 20 Millionen Autos wegen Problemen in die Werkstätten beordert. Skandalös ist dabei der Rückruf von mehreren Millionen Fahrzeugen wegen defekter Zündschlösser, weil das Problem im Konzern mindestens zehn Jahre lang bekannt war, bevor mit dem Rückruf begonnen wurde. Der Defekt hat zu mindestens 13 Todesfällen geführt.

Bedenken

Zu den Managern, an die 2002 die Briefe gingen, gehörten auch der damalige GM-Chef Rick Wagoner und der Verwaltungsratschef John Smith. Der Ex-Kontrolleur McAleer erklärte, als er seine Bedenken geäußert habe, sei er aufgefordert worden, sich mit seinem Team aus Sicherheitsfragen herauszuhalten. Er habe schließlich seinen Posten verloren, bei dem er das GM-Team anführte, das die zur Auslieferung auf den US-Markt vorgesehenen Autos prüfte. Zwar habe ihm 1999 der damals ranghöchste GM-Qualitätsmanager in den USA, Tom LaSorda, geschrieben, dass er klare Anweisungen gegeben habe und diese bereits umgesetzt würden. Doch das sei nicht ausreichend gewesen, um die Defekte zu beseitigen, sagte McAleer. Das habe er auch an den GM-Verwaltungsrat geschrieben.

Ein GM-Sprecher sagte zu den Vorhaltungen, er könne nichts zu Vorgängen sagen, die schon zwölf Jahre zurücklägen. Die Protokolle der Sitzungen des GM-Verwaltungsrates von 2002 lieferten aber keine Hinweise darauf, dass der Brief von McAleer diskutiert worden sei. Es gebe aber den Brief von LaSorda an McAleer und es sehe daher so aus, als ob GM versucht habe, die richtigen Antworten zu geben.

Die aktuelle GM-Chefin Mary Barra hatte Anfang Juni mit Blick auf den Zündschloss-Skandal gesagt, das Top-Management treffe in dem Fall keine Schuld. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass die Probleme nicht an die Führungsetage herangetragen worden seien. Es habe keine abgestimmte Verschleierung gegeben. Vielmehr seien die Probleme auf Versäumnisse und Inkompetenz einiger weniger Personen zurückzuführen. (APA/Reuters, 22.6.2014)

  • Zündschloss-Probleme sorgten für massenhafte Rückrufe von GM-Autos.
    foto: ap/molly riley

    Zündschloss-Probleme sorgten für massenhafte Rückrufe von GM-Autos.

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