Ex-NSA-Chef Alexander ist nun Sicherheitsberater für Banken

22. Juni 2014, 11:12
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Der Vier-Sterne-General warnt die Finanzbranche vor Cyberattacken

Die globale Vernetzung des Internetzeitalters bringt auch für Unternehmen neue Herausforderungen mit sich. Besonders Konzerne aus dem Finanz- und Rüstungsbereich müssen zunehmend mehr Wert darauf legen, dass ihre Daten und Geheimnisse sicher bleiben. Das weiß auch Vier-Sterne-General Keith Alexander, der bis Ende März noch Chef des Geheimdienstes NSA war, der seit über einem Jahr aufgrund seiner massiven Überwachungsprogramme im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Schon in dieser Funktion hatte Alexander eindringlich davor gewarnt, dass Banken und andere Unternehmen der Geldwirtschaft wahrscheinliche Ziele für groß angelegte Cyberangriffe seien. Nun ist er unter die Sicherheitsberater gegangen, berichtet Bloomberg.

Aufrüstung

Vor nicht all zu langer Zeit kümmerten sich bei vielen Banken oft eine niedrige zweistellige Anzahl an Mitarbeitern um das Thema IT-Sicherheit. Vielerorts wurde der Stab nun massiv aufgestockt. "50 bis 100 Leute tun bei uns nichts anderes, als auf Angriffe zu reagieren und die Daten auszuwerten", erklärt Joe Nocera, Chef der Cybersicherheits-Abteilung bei PriceWaterhouseCoopers. Bei JPMorgan sollen es gar 1.000 Mitarbeiter sein. Man rechnet dieses Jahr mit Ausgaben in der Höhe von einer Viertelmilliarde Dollar.

Einer von PriceWaterhouseCoopers durchgeführten Umfrage zufolge, hat sich die Anzahl der "Vorfälle" binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Wurden 2012 noch 1720 Angriffe registriert, waren es 2013 bereits über 4.600. Die Rede ist von "signifikanten" Verlusten als Resultat. Ende 2012 hatten eine Reihe von großen Finanzunternehmen – etwa die Bank of America oder die Citigroup – mit massiven DDoS-Angriffen auf ihre Systeme zu kämpfen.

IronNet

IronNet Cybersecurity heißt das Unternehmen, mit dem Keith Alexander der Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA) nun seine Dienste anbietet. Laut Bloomberg-Quellen soll er seine Beratungstätigkeit für ein monatliches Entgelt von einer Million Dollar angeboten haben. Zuletzt soll dieser Preis allerdings auf 600.000 Dollar gesunken sein. Alexander selbst äußert sich dazu nicht, erklärt aber, dass seine Firma "in der nahen Zukunft" Verträge abschließen werde.

Als ehemaliger NSA-Chef hat Alexander freilich gute Karten am Markt, zumal er auch auf mehrere Jahrzehnte Erfahrung im Technologie-Bereich zurückblicken kann. Er ist auch nicht der einzige ehemalige Regierungsmitarbeiter, der sich nun im privaten IT-Sicherheitsgeschäft verdingt. Michael Morell, zuletzt noch Vizedirektor der CIA, ist ebenso im Dienste eines Beratungsunternehmens tätig wie einige Ex-FBI-Mitarbeiter.

Angst vor "9/11 im Cyberspace"

Dass die von Alexander stets betont Gefahr tatsächlich existiert, beweisen große Datenlecks der letzten Monate. Der Einbruch in die Systeme von großen Retailern wie Target hat das Thema Cybersecurity bei vielen Managern aufs Tapet gebracht. Doch die Arbeit von Sicherheitsfirmen eröffnet Fragen im Datenschutzbereich.

Alexander ist der Meinung, dass die Sorgen rund um die Weitergabe von Kundendaten an diese Unternehmen ein Hindernis für mehr Sicherheit sei. Er fürchtet ein "9/11 im Cyberspace", sollte einmal ein großer Angriff auf Finanzunternehmen oder Telekommunikationsanbieter gelingen.

Gesetzesentwurf

Klarheit könnte das Intelligence Comitee des US-Senats kommende Woche schaffen. Dann soll über einen Gesetzesvorschlag abgestimmt werden, der neue Regeln für die Weitergabe solcher Informationen schafft. (red, derStandard.at, 22.06.2014)

  • Keith Alexander ist nun mit einer eigenen Firma unter die Sicherheitsberater gegangen.
    foto: ap

    Keith Alexander ist nun mit einer eigenen Firma unter die Sicherheitsberater gegangen.

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