S&P-Analyst zum Hypo-Gesetz: "Investoren merken sich das"

22. Juni 2014, 10:34
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Alois Strasser nennt Schuldenschnitt "sehr gewagt"  - Beitrag Kärntens nicht vom Tisch

Wien/Klagenfurt - Der von der Regierung geplante Schuldenschnitt bei nachrangigen Hypo-Anleihen mit Kärntner Landesgarantie sorgt auch bei der Ratingagentur Standard & Poor's für Aufsehen. S&P-Analyst Alois Strasser bezeichnete die Vorgangsweise im APA-Interview als "sehr gewagt". Wenn man es "nicht bedienen will, ist es schon sehr dramatisch". In Europa seien ihm "keine ähnlichen Fälle bekannt".

"Es ist international schwer vermittelbar, dass es sich um einen Ausnahmefall handelt, insofern es sich um einen vergleichsweise niedrigen Betrag handelt", sagte Strasser. "Viele Marktteilnehmer sehen mit Sorge, wie vorgegangen wird."

Die geplante Vorgangsweise bleibe in den Hinterköpfen und Investoren würden sich in Zukunft überlegen, ob sie eine österreichische Anleihe zeichnen sollen. "Investoren die Verluste erlitten haben, merken sich das." Damit sei eine Unsicherheit geschaffen und diese Unsicherheit werde zu einer gewissen Zurückhaltung von Marktteilnehmern führen, warnte der Analyst.

Deutsche Bank hält 200 Millionen

Die österreichische Bundesregierung will per Hypo-Sondergesetz nachrangige Hypo-Anleihen mit einer Garantie des Landes Kärnten im Volumen von 890 Mio. Euro nicht bedienen. Laut "Bloomberg" hält allein die Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank Papiere der nachrangigen Hypo-Anleihe 2017 im Volumen von 199 Mio. Euro. Laut Zeitungsberichten hat die Hypo 80 Prozent der betroffenen Schuldscheindarlehen in Deutschland - unter anderem an Lebensversicherungen - verkauft.

In Österreich hält die UNIQA nachrangige Hypo-Anleihen im Umfang von 35 Mio. Euro, die Vienna Insurance (VIG) rund 50 Mio. Euro. Heimische Pensionskassen haben keine nachrangigen Anleihen der Hypo Alpe Adria in ihren Veranlagungen.

"Credit Watch" für Banken

S&P hatte kürzlich auf das angekündigte Hypo-Sondergesetz mit einem "Credit Watch" für die Erste Group, RZB, Raiffeisen Bank International, KA Finanz, Hypo Niederösterreich und UniCredit sowie für die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Steiermark und Burgenland reagiert. Damit beträgt die Chance für eine Rating-Abstufung mindestens 50 Prozent. Nach dem Beschluss des Hypo-Sondergesetzes im Nationalrat Anfang Juli will die Agentur eine Entscheidung treffen.

Die Ratingagentur Moody's hat am Freitag bereits die Schuldverschreibungen von elf Banken mit öffentlicher Haftung heruntergestuft.

AA+-Rating des Bundes nicht gefährdet

Ein im März diskutierter Zwangsbeitrag von Kärnten ist für den S&P-Analysten noch nicht vom Tisch, weil das Parlament die Gesetzgebungsbefugnis habe. Einen Eingriff in den institutionellen Rahmen zwischen Bund und Ländern sieht er kritisch.

Das AA+-Rating mit stabilen Ausblick Österreichs ist durch das Hypo-Sondergesetz aber nicht gefährdet. "Wir sehen in den nächsten zwei Jahren keine große Bewegung beim Rating der Republik Österreich", betonte Strasser. S&P hatte im Jänner 2012 die Bestnote Tripe-A entzogen.

Die bisherige Abwicklung der Hypo-Alpe-Adria wollte Strasser nicht näher bewerten. "Durch die GmbH-Lösung ist die Option und die Möglichkeit einer endgültigen Insolvenz nicht ausgeschlossen. Es ist eine mögliche Interpretation, dass man sich das offen halten wollte."

In Deutschland seien für die Verbindlichkeiten der ehemaligen Landesbanken öffentlich rechtliche Anstalten gegründet worden. "In Deutschland ist es aber derzeit überhaupt kein Thema, dass man Gläubiger beteiligen will. Österreich wählt einen Weg, den wir in Europa in Sachen Gläubigerbeteiligung noch nicht gesehen haben."

Positiv beurteilte der S&P-Analyst die Budgetentwicklung. "Wir gehen davon aus, dass Österreich den Budgetpfad einhalten wird, den es aufgezeigt hat". Es habe sich leicht verschlechtert, aber nicht maßgeblich. (APA, 22.6.2014)

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