In den Fängen der Kunst

20. Juni 2014, 18:28
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Andy Warhol dominierte die Art Basel: Skarstedt verkaufte ein Selbstporträt um 35 Millionen Dollar. Auch die österreichischen Galeristen machten gute Geschäfte.

Basel - Das Favela Café, das Tadashi Kawamata letztes Jahr vor der Messehalle 2 aus Sperrholz und Wellblech errichtet hatte, wirkte ziemlich daneben. Denn auf der Art Basel pflegen die Reichen und Schönen einzukaufen. Da passte die strahlend weiße Installation "Zerzura" des Architektenteams Panterapantera schon besser: Sie erinnerte mit ihren Pools und den wie Vorhänge gespannten Fußballtornetzen an ein mondänes Spa. Man befand sich aber in den Fängen der Kunst. Und der Bezug zur WM war auch hergestellt.

Die diesjährige, bis 22. Juni laufende Messe schien noch einmal größer geworden zu sein. Denn als Ergänzung oder Kontrapunkt präsentierten Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist in der Halle 3 ihr auf 14 Räume erweitertes Projekt "11 Rooms" mit performativer, körperbezogener Kunst. Die Künstler vollführten ihre Live-Art aber nicht selbst: Schauspieler stellten die Performances nach (u. a. von Bruce Nauman und Marina Abramović) oder befolgten Handlungsanweisungen. Manche Beiträge waren eher banal: Santiago Sierra stellte einen Schwarzen in die Ecke, Xu Zhen ließ eine Person schweben (ähnlich Straßenkünstlern auf einem verborgenen Metallgerüst). Statt sich zu berühren, wie Yoko Ono mit "Touch Piece" hoffte, verließ man den abgedunkelten Raum gleich wieder.

Hans im Glück

Sehr gut funktionierte hingegen "Swap": Roman Ondák, von dem Martin Janda zwei Installationen anbot, ließ den Performer als Hans im Glück agieren. Am spannendsten aber war die klare Architektur mit den verspiegelten Türen von Herzog & de Meuron aus Basel.

Auch die Unlimited, die sich über die wirklich riesige Halle 1 erstreckte, enttäuschte trotz schöner Kombinationen. Einen der besten Beiträge bot Markus Schinwald mit seiner Installation "Walls" aus beweglichen Raumteilern, die von Art-Basel-Aufpassern vorsichtig mit einem weißen Handschuh gedreht wurden. Zu sehen waren heuer auffallend viele Videos. Alex Prager faszinierte mit einer in Hollywood gedrehten Installation über die "Masse", in die eine klassische Blondine nicht hineinpasst ("Face in the Crowd"). Und auch Sudarshan Shetty aus Indien vermochte mit einer poetischen Videoarbeit, in der manch Porzellan zerbricht, zu überzeugen: Ursula Krinzinger verkaufte die Edition gleich am ersten Tag zweimal (um je 75.000 Euro) und ein Vasen-Diptychon um 27.000 Euro.

Installation aus Jalousien

Als Entree zur Unlimited fungierte eine schwebende Architekturinstallation aus bunten Jalousien von Haegue Yang (um 400.000 Euro) – nicht ohne Grund: Nie zuvor standen Künstler aus Asien, darunter Yang Fudong mit ästhetischen SW-Fotos und Xu Zhen mit großen Skulpturinstallationen, derart im Mittelpunkt. Auch preislich rangieren sie bereits im gehobenen Feld: Blum & Poe bot üppige Ölgemälde von Zhu Jinshi um 240.000 Euro an.

Marktbeherrschend aber bleiben natürlich die US-Amerikaner. Allein mit den Werken von Andy Warhol hätte man eine feine Retrospektive zusammenstellen können. Van de Weghe zum Beispiel bot "Little Electric Chair" um acht Millionen Dollar an, Daniel Blau die untypische "Mylar Sculpture" um zwei Millionen Euro, und Skarstedt verkaufte das Selbstporträt "Fright Wig" mit dem wegstehenden Haarbüschel um 35 Millionen Dollar (26 Millionen Euro).

Viel hochpreisige Kunst

David Zwirner erzielte für eine Installation aus Wachsköpfen von Bruce Nauman drei Millionen Dollar, für einen Delfin von Jeff Koons deren fünf Millionen. Luhring Augustine hatte mit dessen "Caterpillar Ladder" (fünf Millionen Dollar) einen Blickfang, Gagosian kombinierte Koons "Hulk" (vier Millionen Dollar) mit Schädeln von Andy Warhol. Mithalten konnte Gisela Capitain aus Köln: Sie verkaufte Martin Kippenbergers "Ertragungsgebirge" aus 1985 um 1,8 Millionen Euro. Und Thaddaeus Ropac war sogleich seine Raritäten los, darunter eine Holzskulptur von Georg Baselitz (2,3 Millionen Euro) und eine Vitrine von Joseph Beuys (zwei Millionen).

Damien Hirst spielte keine Rolle (abgesehen davon, dass Roche in einem Inserat eine weiß-gelbe Pille als "Kunstwerk" bezeichnete); sehr oft sah man Arbeiten von Anish Kapoor, Alex Katz, Günther Förg und Michelangelo Pistoletto. Unglaublich präsent war Heimo Zobernig, der mit einem großen Quadrat-Bilder-Würfel auch auf der Unlimited ins Auge stach.

Zeitungshalter ohne Zeitungen

Die wenigen Wiener Galeristen machten gute Geschäfte (Rosemarie Schwarzwälder verkaufte u. a. eine Katharina Grosse um 124.000 Euro, Georg Kargl eine Fotoarbeit von Cindy Sherman). Jenny Tischer gestaltete das Wien-Tourismus-Kaffeehaus sehr grafisch (mit Zeitungshaltern, aber ohne Zeitungen); und Gottfried Bechtold hatte das meiste Publikum: Im Rahmen des "Parcours" wurde sein Panamera im Kaufhaus Manor gleich beim Eingang aufgestellt.

Auf der Gegenmesse Liste wurden bereits Preise wie auf der Art erzielt (Oscar Murillo um 180.000 Euro), auf der Volta hingegen ging es eher ruhig zu. In einem verwaisten Stand lag nur ein Zettel: „We are watching the soccer match in the restaurant.“ In den Fängen des Fußballs also. (trenk, DER STANDARD, 20.6.2014)

  • Im Kaufhaus Manor: "Panamera" (mit Bronze statt Glas) von Gottfried Bechtold.
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    Im Kaufhaus Manor: "Panamera" (mit Bronze statt Glas) von Gottfried Bechtold.

  • "Walls" von Markus Schinwald in der Sektion "Unlimited": Eine Art-Basel-Aufpasserin bewegt die Architekturteile - und verändert damit die Skulptur.
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    "Walls" von Markus Schinwald in der Sektion "Unlimited": Eine Art-Basel-Aufpasserin bewegt die Architekturteile - und verändert damit die Skulptur.

  • Plakate von Ryan Gander in Kleinbasel: Tagträumerei erwünscht.
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    Plakate von Ryan Gander in Kleinbasel: Tagträumerei erwünscht.

  • Installation "Zerzura" von Panterapantera: In den Fängen der Kunst.
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    Installation "Zerzura" von Panterapantera: In den Fängen der Kunst.

  • Stand der Gagosian Gallery: "Hulk" von Jeff Koons (um vier Millionen Dollar) kombiniert mit Schädeln von Andy Warhol.
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    Stand der Gagosian Gallery: "Hulk" von Jeff Koons (um vier Millionen Dollar) kombiniert mit Schädeln von Andy Warhol.

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