Johann Westhauser: Dem Riesending entkommen

20. Juni 2014, 18:01
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Höhlenforscher und -retter Johann Westhauser wurde gerettet

Dass es Johann Westhauser ganz nach oben geschafft hat, war eines der schönsten Beispiele von "Wir lassen dich nicht im Stich". Gerade unter Speläologen, also echten Höhlenforschern, ist das eine Selbstverständlichkeit. Doch die mehr als 700 Helfer aus mehreren Nationen, die dazu beigetragen haben, den Verunglückten aus dem 1000 Meter tie- fen Riesending-Schlund im Untersberg in den Berchtesgadener Alpen zu bergen, sind selbst in Caveman-Kreisen ein neuer Solidaritätsrekord.

Er wolle allen persönlich danken, erwiderte Westhauser bereits die Hilfsbereitschaft - wohl nicht wissend, dass es so viele waren.

Unmittelbar nach dem Unfall hatte die Familie Westhauser die Medien um Wahrung ihrer Privatsphäre ersucht - was der Standard auch durchhend berücksichtigt hat. Wie viel ihm diese Familie wert ist, hat der 52-Jährige mit seiner ersten Botschaft, die Retter nach oben mitgebracht hatten, bewiesen: "Es geht mir gut, liebe Grüße", ließ der von einem Steinschlag Schwerverletzte den Seinigen ausrichten.

Die Ärzte in der Unfallklinik Murnau sind mittlerweile zuversichtlich, dass der Patient sein Schädel-Hirn-Trauma überwinden wird. Also stehen die Chancen gut, dass er auch wieder in seinen Brotberuf am Institut für Angewandte Physik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zurückkehren kann, wo er als Techniker beschäftigt ist.

Dass er körperlich fit und kein Nervenbündel ist, hat Westhauser in der Riesending-Höhle oft bewiesen. Er hat sich dort 2002 gemeinsam mit anderen Forschern als Erstbefahrer in die Annalen des Untergrundes eingeschrieben. Im Schlatz, dem robusten Overall, quälten sich die Männer bisher 1148 Meter tief und 19,1 Kilometer weit durch Schächte, Canyons, Dreck und Wasser in den Karst. Mehr geht in Deutschland derzeit nirgendwo.

Der Mann, dessen 274-stündige Rettung weltweit verfolgt wurde, hatte davor schon selbst zahlreiche Rettungsaktionen geleitet. Seit zwanzig Jahren ist er Mitglied bei der Höhlenrettung in Baden-Württemberg.

Wer so mit den Labyrinthen der Unterwelt verbunden ist, der freut sich offenbar auch umso mehr wieder über den Weitblick bei Tageslicht. Beim Abtransport mit dem Hubschrauber soll Johann Westhauser der Aussicht wegen um eine erhöhte Position seiner Liege gebeten haben. Und der Pilot flog noch eine Extrarunde über den Untersberg. (Michael Simoner, DER STANDARD; 21.6.2014)

  • Johann Westhauser
    foto: unfallklinik murnau

    Johann Westhauser

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