Über 6.000 Jahre altes Ei eines gefährlichen Parasiten gefunden

22. Juni 2014, 16:30
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Archäologischer Fund in Syrien gibt Einblick in die Geschichte einer heute weit verbreiteten Krankheit

Paris - Im Norden Syriens haben Wissenschafter ein 6.200 Jahre altes Ei des gefürchteten Bilharziose-Erregers gefunden. Der Fund gebe Aufschluss darüber, wie die Wurmerkrankung zu einer Plage wurde, die heute hunderte Millionen Menschen trifft, heißt es in einem im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlichten Artikel.

Archäologen und Biologen untersuchten 26 Skelette, die sie in der historischen Grabstätte Tell Seidan im Norden Syriens gefunden hatten: Mit einem höchst aufwendigen Verfahren nahmen sie das Sediment unter die Lupe, das sich in der Beckengegend der Skelette befand. So fanden sie schließlich das winzige, über die Jahrtausende versteinerte Ei eines Saugwurms der Gattung Schistosoma, des Erregers der Bilharziose.

Die Krankheit

Von der Bilharziose sind hunderte Millionen Menschen in den tropischen Regionen Asiens, in Afrika und in Lateinamerika betroffen. Erst kürzlich wurden auch Infektionen von Urlaubern bekannt, die in Korsika Ferien gemacht hatten.

Ausgelöst wird die Krankheit durch die Larven des Wurms, die sich in Süßwasser tummeln. Der Parasit dringt durch die Haut hindurch in den Körper des Menschen ein und wandert später als erwachsener Wurm in Nieren, Blase und andere Organe. Dort legt er seine Eier ab, die über Urin oder Kot ausgeschieden und so weiterverbreitet werden. Die Infektion, die sich in der Regel durch Blut im Urin äußert, kann langfristig unter anderem zu Nierenversagen und Blasenkrebs führen.

Profiteur einer neuen Lebensweise

Neuere DNA-Untersuchungen des Wurms legen den Schluss nahe, dass der Parasit sich zunächst in Asien entwickelte und von dort nach Afrika und darüber hinaus ausbreitete. Die Wissenschafter um Piers Mitchell von der Universität Cambridge gehen nun davon aus, dass der Wurm davon profitierte, dass der Mensch vor rund 8.000 Jahren sesshaft wurde. Der Fundort Tell Seidan liegt im Euphrat-Tal und damit in der Region des sogenannten Fruchtbaren Halbmonds, wo der Mensch vermutlich zuerst sesshaft wurde.

Die Menschen bauten in der eigentlich trockenen Region Weizen und Gerste an, vermutlich errichteten sie dafür Bewässerungssysteme. Beim Waten durch das Wasser in den Kanälen wurden sie vermutlich von den Larven befallen und sorgten so für ihre Weiterverbreitung.

"Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass die Bewässerung von Feldfrüchten vor 6.000 Jahren im Nahen Osten der Bilharziose erlaubte, auf die dort lebenden Menschen überzugreifen", schreiben die Forscher. Die Bewässerung könnte damit als erste Technologie in der Geschichte der Menschheit die Ausbreitung einer Krankheit begünstigt haben. (APA/red, derStandard.at, 22. 6. 2014)

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