Monets legendäre Seerosenzucht

20. Juni 2014, 19:55
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Inbegriff des Impressionismus und Trophäe mit Wiedererkennungswert

Claude Monets Leidenschaft für seinen Garten in Giverny war schon zu Lebzeiten legendär. Zeitgenossen rühmten dessen Harmonie, das Feuerwerk der von Mai bis Oktober währenden Blütenpracht, die alle Passanten innehalten lassen würde, um diese "märchenhafte Kreation mit dem heftigen Verlangen zu bewundern, sie zu besuchen". Ein Paradies, das von sechs Gärtnern gepflegt wurde und für das sich Monet im Frühjahr 1900 als Bildmotiv zu begeistern begann. In kräftigen, leuchtend farbigen Strichen schilderte er das koloristische Schauspiel seines Gartens, das Aufstrahlen der Töne unter dem Sonnenlicht, ihr verhaltenes, aber volles Pulsieren im Schatten, beschrieb es Belvedere-Kurator Stephan Koja (Monet-Ausstellung 1996) treffend. Zum berühmtesten Motiv avancierten seine Seerosen, die heute als Inbegriff des Impressionismus gelten - und als Trophäe mit leichtem Wiedererkennungswert, für Kunstsammler mit entsprechendem Budget.

Zum Vergnügen gepflanzt

Dabei hatte sie Monet aus reinem Vergnügen gepflanzt: "Ich zog sie heran, ohne daran zu denken, sie zu malen. Eine Landschaft geht einem nicht an einem Tag unter die Haut. Und dann hatte ich plötzlich die Offenbarung, wie wunderbar mein Teich war, und griff nach der Palette". Seit jenem Augenblick habe ihn kaum ein anderes Sujet so fesseln können.

Von 1904 bis 1908 entstand die erste Seerosenserie, aus der 1909 48 Bilder in einer Ausstellung (Les Nymphéas, Paysage d'Eau) zu sehen waren. Das Wesentliche des Motivs war laut Monet der Wasserspiegel, "dessen Anblick sich ständig durch die Reflexe von Fragmenten des Himmels verändert, wodurch es mit Leben und Bewegung erfüllt wird." Der Oberfläche des Wassers wird man als Betrachter jedoch nur über die darauf schwebenden Seerosen gewahr. Eines der damals gezeigten Werke erwarb Monets Galerist Durand-Ruel (Paris), jenes, das kommende Woche (23. 6.) bei Sotheby's (London) zur Auktion kommt.

Im Mai 2000 hatte es Ralph C. Wilson für netto 19 Millionen Dollar bei Christie's (New York) ersteigert. Im März dieses Jahres verstarb der Buffalo-Bills-Eigner und Mitbegründer der American Football League 95-jährig, seine Erben lassen nun neben dieser Trophäe noch drei weitere Monet-Werke bei Sotheby's versilbern.

Zumindest 20 Millionen Pfund soll das auf 1906 datierte Gemälde einspielen, das Monet am frühen Morgen malte, gerade als sich die ersten Sonnenstrahlen im Wasser zu spiegeln begannen.

Im aktuellen Ranking der zehn höchsten weltweit verzeichneten Auktionszuschläge des Künstlers - darunter übrigens nicht weniger als sechs Seerosenbilder - hält dieses Platz zehn. Den vorläufigen Höchstwert hatte ein anonymer Käufer im Juni 2008 bei Christie's für Le bassin aux nymphéas, ein Querformat von 1919, mit 36,5 Millionen Pfund (71,84 Mio. Dollar) bewilligt. Gerüchteweise soll es sich seither im Besitz von Roman Abramowitsch befinden. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 21./22.6.2014)

  • Zumindest 20 Millionen Pfund (33,62 Mio. Dollar / 24,34 Mio. Euro) sollte man für dieses Seerosenbild von 1906 bereithalten.
    foto: sotheby's

    Zumindest 20 Millionen Pfund (33,62 Mio. Dollar / 24,34 Mio. Euro) sollte man für dieses Seerosenbild von 1906 bereithalten.

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