Oberösterreich: Fußballplatz-Streit um kickende Flüchtlinge

21. Juni 2014, 10:00
526 Postings

Ein Fußballplatz, der nur eingeschränkt genutzt werden darf, damit das Gras nicht ruiniert wird. Im St. Nikola im Strudengau streiten VP und SP um ein partielles Kickverbot für Asylwerber

St. Nikola – "Um eine langfristige Bespielbarkeit des Fußballplatzes zu erhalten, muss die Benutzung durch die Asylwerber eingeschränkt werden", informiert  Bürgermeister Nikolaus Prinz (VP). Gleich auf der ersten Seite der aktuellen Ausgabe der Gemeindemitteilungen von St. Nikola lässt der Ortschef, zugleich auch ÖVP-Nationalratsabgeordneter, wissen, dass der Sportplatz derzeit zu "intensiv von den Bewohnern der Häuser St. Nikola 11 und 31 genutzt“ werde.

In diesen Privatquartieren der Grundversorgung sind 110 Asylwerber untergebracht. Betreut werden sie von der Caritas. Die (lange) Zeit des Wartens bis zur Entscheidung im Asylverfahren vertreiben sich vor allem Jugendliche und junge Männer mit Kicken – was dem Bürgermeister offenbar nicht recht sein dürfte. Denn plötzlich soll der Platz für die Flüchtlinge nicht mehr frei  zugänglich sein. Die zeitliche Einschränkung sollte am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung beschlossen werden. Doch der vorletzte Punkt der Tagesordnung wurde gestrichen. Denn, so Prinz, es wäre kein einstimmiger Beschluss zustande gekommen.

Fremdenfeindlich klingender Beschluss

Die SP-Gemeinderatsfraktion hatte sich über die Formulierung in der Gemeindezeitung geärgert. "Das ist uns sauer aufgestoßen", erklärt SP-Obmann Gerold Prinz (mit dem Bürgermeister nicht verwandt). Ausgerechnet zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni sollte in St. Nikola ein fremdenfeindlich klingender Beschluss getroffen werden; ausgerechnet in jener Gemeinde, in der trotz der hohen Anzahl an Flüchtlingen das Miteinander funktioniere. Das lehnte die rote Fraktion ab.

In der 800-Einwohner-Gemeinden im Strudengau wohnen im Durchschnitt 100 Flüchtlinge. Probleme habe es bisher keine gegeben, berichtet Grete Aschauer von der Caritas-Flüchtlingsbetreuung. Nicht nur die privaten Quartierbetreiber profitieren von der Unterbringung. Sie sichern dem kleinen Ort auch den Erhalt der Volksschule: 15 der 36 Kinder in der Volksschule sind Asylwerber, hinzu kommen laut Aschauer noch vier Kinder aus anerkannten Flüchtlingsfamilien. Eine Erklärung, warum der Bürgermeister jetzt auf einmal derartigen Töne anschlägt, hat Aschauer nicht.

Ortschef Prinz, darauf angesprochen, gibt zu "den Satz unglücklich formuliert zu haben, auch wenn er den Nagel auf den Kopf trifft". Denn das rund 45 Meter lange und 25 Meter breite Feld werde fast ausschließlich von den Asylwerbern benutzt.  Das intensive Kicken vertrage das Gras nicht.  "Ich lasse den Platz sicherlich nicht an die Wand fahren, um ihn dann auf Gemeindekosten zu sanieren", verteidigt er seine Ankündigung.

Vorschlag für neue Spielplatzverordnung

Selbstverständlich, so Prinz, würde die Spielplatzverordnung für alle Benutzer gelten, inländische wie ausländische: Konkret denkt er an folgende zugelassene Spielzeiten: Dienstags, mittwochs und freitags von 17 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 17.Uhr. Spezielle Fußballveranstaltungen könnten gesondert vereinbart werden.

Auf ein Angebot von Caritas-Frau Aschauer stieg der Ortschef nicht ein: Viele der Flüchtlinge würden in den nächsten Wochen, im Ramadan, ohnehin nicht kicken, also könnten sie den Rasen aufpäppeln. Derzeit gebe es nichts zu sanieren, antwortete Prinz nur. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 21.6.2014)

  • Wenn es nach dem Bürgermeister von St. Nikola geht, gehört die noch vorhandene Grasnarbe auf dem Fußballplatz geschont. Daher will er das Kicken der Flüchtlinge einschränken.
    foto: privat

    Wenn es nach dem Bürgermeister von St. Nikola geht, gehört die noch vorhandene Grasnarbe auf dem Fußballplatz geschont. Daher will er das Kicken der Flüchtlinge einschränken.

Share if you care.