Explosiver Spatenstich für das größte optische Teleskop der Welt

20. Juni 2014, 15:12
62 Postings

Mit einem Spiegeldurchmesser von 39 Metern wird das "European Extremely Large Telescope" Ausschau nach einer zweiten Erde halten

Santiago de Chile - In der chilenischen Atacama-Wüste haben am Donnerstag die Bauarbeiten für das weltgrößte optische Teleskop begonnen. Das von der Europäischen Südsternwarte (ESO) geplante "European Extremely Large Telescope" (E-ELT) mit einem Spiegeldurchmesser von 39 Metern soll Astronomen neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums bringen.

Als feierlicher "Spatenstich" wurde ein Teil des Gipfels des 3.000 Meter hohen Cerro Armazones gesprengt und damit etwa 5.000 Kubikmeter Gestein gelöst. Insgesamt werden etwa 220.000 Kubikmeter Material entfernt werden, um Platz für die 150 mal 300 Meter große Plattform des Teleskops zu schaffen.

"Teleskop für das 22. Jahrhundert"

Die auf Kosten von etwa einer Milliarde Euro geschätzten Bauarbeiten werden voraussichtlich zehn Jahre dauern. Der von Astronomen herbeigesehnte Moment des "ersten Lichts" ist für 2024 geplant. "Mit E-ELT bauen wir ein Teleskop für das 22. Jahrhundert", sagte der ESO-Vertreter in Chile, der Astronom Fernando Comeron. Das Hauptmerkmal des Teleskops sei, dass die Oberfläche, die das Licht auffängt, 10 bis 15 Mal größer sei als bei den bisher eingesetzten optischen Spitzenteleskopen.

Comeron wies darauf hin, warum es bislang keine Beweise für erdähnliche Planeten in unserer galaktischen Nachbarschaft gebe, die ihren Stern in der gleichen Entfernung umkreisen wie die Erde die Sonne: "Nicht, weil es sie nicht gibt, sondern weil wir nicht die Mittel haben, sie zu finden."

Die ESO, ein Zusammenschluss aus 15 überwiegend europäischen Staaten, betreibt mehrere hochwertige Teleskope in Chile, darunter das optische Teleskop Very Large Telescope (VLT) und das größte Radioteleskop der Welt, das Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA). Aufgrund der kühlen und trockenen Wetterbedingungen in Chile werden die meisten astronomischen Beobachtungen weltweit in dem südamerikanischen Land ausgeführt. (APA/red, derStandard.at, 20. 6. 2014)

  • Wo lange Zeit ein unwirtlicher Berggipfel vor sich hin schlummerte, wallte kürzlich die Staubwolke einer Explosion auf - um in etwa zehn Jahren diesen Anblick hier bieten zu können:
    foto: apa/epa/eso/european southern observatory/

    Wo lange Zeit ein unwirtlicher Berggipfel vor sich hin schlummerte, wallte kürzlich die Staubwolke einer Explosion auf - um in etwa zehn Jahren diesen Anblick hier bieten zu können:

  • Artikelbild
    foto: eso/l. calçada
Share if you care.