Filmfestival Let's Cee beklagt mangelnde Förderung

20. Juni 2014, 14:50
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Anfang Oktober wird in Wien wieder das Let's-Cee-Filmfestival stattfinden. Die finanzielle Lage und die Frage, ob das Festival Zukunft hat, bereiten den Initiatoren Sorge

Sich einen Platz in der Wiener Kulturszene zu verschaffen, dazu braucht es Geduld und ein gutes Netzwerk an Unterstützern und Kooperationspartnern. All das haben Magdalena Zelasko und Wolfgang P. Schwelle gemeistert, und trotzdem bereitet ihnen das Überleben ihres Festivals, das Filme aus Zentral- und Osteuropa (CEE) einschließlich der Kaukasus-Region und der Türkei dem Wiener Publikum näherbringt, erhebliches Kopfzerbrechen: "Nicht einmal die größten Filmfestivals können ohne eine entsprechende Basisförderung der öffentlichen Hand auf Dauer überleben", erklärt Schwelle, zweiter Festivaldirektor und Mitbegründer von Let's Cee, die Situation. "Und natürlich wissen das auch die heimischen Kulturpolitiker."

Wenig Spielraum

All jene, die Let's Cee mitorganisieren, machen es zurzeit ehrenamtlich. Zelasko und Schwelle fühlen sich von der städtischen Förderungspolitik benachteiligt: "Obwohl wir wesentlich mehr bräuchten, hat man uns in Vorgesprächen vermittelt, mehr als 50.000 Euro wären illusorisch. Dann hat es geheißen, es werden wohl nicht mehr als 30.000 Euro sein, jetzt stehen wir angeblich bei 8.000 Euro für das Rahmenprogramm und 7.000 Euro für das Filmprogramm", listet Zelasko, Initiatorin des Festivals, auf. Eine schriftliche Zusage sei aber selbst drei Monate vor Festivalbeginn noch nicht auf dem Tisch.

Tropfen auf den heißen Stein

Würden wie besprochen tatsächlich 15.000 Euro fließen, wären das etwa vier Prozent des Festivalbudgets, moniert Schwelle. "Denn wenn wir all das, was uns Sponsoren unentgeltlich an Sachleistungen zur Verfügung stellen und was von uns und unseren Mitarbeitern an bislang ausschließlich ehrenamtlicher Tätigkeit geleistet wird, monetarisieren, dann kommen wir auf eine Summe von zumindest 350.000 Euro."

Schwelle hat dazu eine eigene Rechnung erstellt: "Im Jahr 2012 förderte der Bund insgesamt 13 Filmfestivals mit 826.100 Euro, das sind 0,19 Prozent der Kulturausgaben. Die Stadt Wien förderte 2012 insgesamt zwölf Filmfestivals mit 1.951.200 Euro, davon kamen rund 80 Prozent der Viennale zugute." Alle anderen Filmfestivals gemeinsam erhielten 400.000 Euro oder 0,18 Prozent der Kulturausgaben, sagt Schwelle.

Alte Traditionen?

"Und natürlich spielen auch Traditionen eine große Rolle. Gefördert wird in erster Linie, was und wer immer schon gefördert wurde", sagt Zelasko. Für Schwelle ist das ein Beispiel für "unglaubliche Intransparenz der Wiener Kulturpolitik bei der Vergabe von Förderungen", was viel zu wenig thematisiert werde. So würde man zwar irgendwann erfahren, wer wie viele Subventionen bekommen hat, aber nur vereinzelt, wofür das Geld verwendet wurde, kritisiert Schwelle.

Ein Ortswechsel würde im schlimmsten Fall ebenso zur Debatte stehen, sagt Festivaldirektorin Zelasko: "Wien ist für ein vielsprachiges Festival wie unseres ein idealer Standort. Aber wir haben tatsächlich schon über einen Standortwechsel nachgedacht, zumal es in den CEE-Ländern zwar weniger Migranten gibt, dafür aber das allgemeine Interesse an Filmen höher ist als hierzulande."

Vorwürfe nicht haltbar

Stimmt alles so nicht, entgegnet Renate Rapf, Sprecherin von Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), der für Kultur und Wissenschaft zuständig ist. In Wien fänden jedes Jahr mehr als 80 Festivals statt, allein im Filmbereich unterstütze die Stadt mit einer Summe von 440.000 Euro, sagt Rapf. Dazu komme noch die Viennale, die mit 1,5 Millionen Euro gefördert werde. Dem Let's Cee als neuem Festival seien für 2014 erstmals 15.000 Euro zugesagt worden, bestätigt die Sprecherin. Vergangenes Jahr hätten die Initiatoren schlicht zu spät eingereicht.

"Der Vorwurf mangelnder Transparenz kann nicht nachvollzogen werden, da die Förderungen der Kulturabteilung in der öffentlich zugänglichen Sitzung des Wiener Gemeinderats beschlossen werden", sagt Rapf. Die Fördersummen würden überdies im jährlich erscheinenden Kunst- und Kulturbericht publiziert und seien auch auf der Website der Kulturabteilung abrufbar, wodurch ebenfalls weitgehende Transparenz gewährleistet sei.

Rapf weist auch den Vorwurf der Seilschaften entschieden zurück: "Die Vergabe einzelner Förderungen hängt sicher nicht von bestehenden Netzwerken ab. Ganz im Gegenteil: Die Kulturabteilung ist stets um größtmögliche Objektivität bemüht. Das Let's-Cee-Festival wird genauso sachlich behandelt wie alle anderen Festivals, etwa Tricky Women, Vienna Independent Shorts oder Kinderfilmfestival." Obendrein würden auch andere Filmfestivals nicht mehr bekommen, da das Budget allgemein knapp sei.

Umfangreiches Programm

Im Rahmen des Let's CEE-Festivals 2014 werden von 2. bis 11. Oktober zwischen Urania-Kino, Actor's Studio und erstmals auch Village Cinema mehr als 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Zentral- und Osteuropa im Rahmen von drei Wettbewerben und weiteren Programmreihen zu sehen sein, fast alle davon in Originalversion mit englischen oder deutschen Untertiteln. Dazu gibt es auch heuer wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm, von Meisterklassen über Diskussionen bis hin zu Konzerten. (Toumaj Khakpour, daStandard.at, 20.6.2014)

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