Deutsche Forscher weisen nach, wie eine Fettleber entsteht

20. Juni 2014, 13:31
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Lebererkrankungen sind seit Jahren auf dem Vormarsch - oft ist für eine Fettleber nicht nur Alkohol, sondern auch eine falsche Ernährung die Ursache 

Pharmazeuten der Universität Saarland haben in einer Studie gezeigt, wie es zu einer Fettleber kommt. Verantwortlich für den molekularbiologischen Mechanismus ist das Protein p62. Es veranlasst ein bestimmtes Enzym, mehr Fett in der Leber zu bilden und einzulagern. Gleichzeitig sorgt es auch dafür, dass die Leberzellen mehr von diesem Enzym produzieren.

Die Ergebnisse der Forscher könnten dazu beitragen, Therapien zu entwickeln, um Entzündungsprozessen in der Leber vorzubeugen oder diese zu behandeln. Die Studie wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Lipid Research" veröffentlicht.

Falsche Ernährung Mitursache

Lebererkrankungen sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Dabei schadet nicht nur ein Zuviel an Alkohol der Leber, sondern offenbar auch eine falsche Ernährung. "Schätzungen gehen davon aus, dass sechs bis 33 Prozent der Bevölkerung in den Industrieländern an einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden", sagt Alexandra Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes.

Aus dieser Form kann sich schleichend eine entzündliche Fettleber entwickelt. Sie kann im Laufe der Zeit zu einer Zirrhose und letztlich zu Leberkrebs führen. Die Krankheit bleibt meist lange unentdeckt - erst im fortgeschrittenen Stadium machen sich Symptome bemerkbar. In der Regel sind mehr Männer als Frauen betroffen.

Neue Studie 

In einer aktuellen Studie haben die Saarbrücker Forscher um Kiemer untersucht, welche molekularbiologischen Prozesse zu einer entzündeten Fettleber führen. Dafür haben sie in menschlichen Leberzellen ein Protein, das p62, genau unter die Lupe genommen. "Dieses Molekül wurde erstmals 1999 bei einem Patienten mit Leberkrebs entdeckt", sagt Kiemer. Normalerweise kommt es nur in der Leber von Föten während der Entwicklung vor - welche Funktion es hat, war lange unklar.

In einer vorangegangenen Arbeit haben die Wissenschaftler der Saar-Uni bereits gezeigt, dass p62 an der Bildung einer Fettleber beteiligt ist. Nun sind sie der Frage nachgegangen, wie genau das Protein an dieser gesteigerten Fetteinlagerung beteiligt ist.

Therapie-Entwicklung 

In der Leber liegt Fett in Form von gebundenen kurzen oder langen Fettsäure-Molekülen vor. Verantwortlich für die Länge der Fettsäuren ist ein bestimmtes Enzym, das die Moleküle verlängert. Erstmals konnten Kiemer und ihr Team nachweisen, dass p62 dafür sorgt, dass deutlich mehr Enzym gebildet wird und dadurch mehr Fettsäuren verlängert werden. So lagert sich wiederum mehr Fett in der Leber ein, wodurch Entzündungsprozesse gefördert werden.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen zum ersten Mal, welche molekularbiologischen Prozesse bei der Entstehung der Fettleber ablaufen. Die so gewonnenen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, therapeutische Verfahren zu entwickeln, die eine Entzündung der Leber unterbinden oder aufhalten. (red, derStandard.at, 20.6.2014)

  • Fettleber unter dem Mikroskop. Die weißen "Flecken" sind die Fetttröpfchen im Gewebe.
    foto: ag kiemer/saar-uni

    Fettleber unter dem Mikroskop. Die weißen "Flecken" sind die Fetttröpfchen im Gewebe.

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