Streit um Abwrackung der Costa Concordia

20. Juni 2014, 13:06
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Toskana gegen Zerlegung in Genua - Abschleppung könnte sich verzögern

Giglio - Die Entscheidung der italienischen Regierung und der Reederei Costa Crociere, das 2012 vor der Insel Giglio havarierte Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" im Juni in den Hafen von Genua zur Abwrackung zu schleppen, hat für Spannungen gesorgt. Die Region Toskana wehrt sich gegen den Beschluss und warnt vor Umweltgefahren, die mit dem Abschleppen bis nach Genua verbunden sind.

Verantwortliche der Toskana, vor deren Küste die Insel Giglio liegt, hatten gehofft, dass der Hafen Piombino nahe Livorno den Auftrag für die Zerlegung des Kreuzfahrtschiffes erhalten würde. Der Hafen Piombino befindet sich zurzeit in einer akuten Krise, die Abwrackung des Luxusliners würde der toskanischen Stadt wichtige Arbeitsplätze bescheren. Der Präsident der Region Toskana, Enrico Rossi, sagte auch, dass der Hafen wegen der geografischen Nähe die logischste Lösung für die Costa Concordia wäre.

Appell an Renzi

Rossi richtete einen Appell an den aus der Toskana stammenden Premier Matteo Renzi. "Die Costa Concordia würde in einem einzigen Tag Piombino erreichen, statt fünf Tage zu benötigen, bis das Schiff Genua erreicht", meinte Rossi. Italienische Medien spekulierten, dass sich das Wegschleppen verzögern könnte, sollte es zu keiner Einigung zwischen der Toskana, der Regierung und der Costa Crociere kommen.

Der relativ kleine Hafen Piombino sei nicht in der Lage, das riesige Costa-Concordia-Wrack zu zerlegen, hieß es in Regierungskreisen. Um das Abwracken hatten sich zahlreiche Häfen von der Türkei bis Norwegen beworben. Der Auftrag ging an ein Konsortium der Ölfirma Saipem und der genuesischen Unternehmen Mariotti und San Giorgio.


Unterdessen wird weiter daran gearbeitet, die Costa Concordia wieder schwimmfähig zu machen. 80 Prozent der Vorbereitungen wurden erledigt, hieß es auf der Insel Giglio. Nachdem die Costa Concordia stabilisiert und winterfest gemacht wurde, mussten Tanks - insgesamt 30 Plastikkästen - angebracht werden, die dem Schiff Auftrieb geben.

Die Costa Concordia war vor eineinhalb Jahren bei einem riskanten Manöver vor der Küste Giglios auf einen Felsen aufgelaufen und umgekippt. 32 Menschen kamen ums Leben, 77 österreichische Passagiere an Bord des Schiffes konnten sich retten. Im vergangenen September war das Kreuzfahrtschiff in einer spektakulären Operation aufgerichtet worden. Die Sicherung des Wracks hat Costa Crociere bisher schon mehr als eine Milliarden Euro gekostet. Kapitän Francesco Schettino muss sich seit September in der toskanischen Stadt Grosseto unter anderem wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Ihm drohen bis zu 25 Jahren Haft. (APA, 20.6.2014)

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