Gravitationswellen: Nun zweifeln auch Forscher selbst an ihrem Ergebnis

20. Juni 2014, 12:55
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Team um John Kovac will einen Irrtum nicht länger ausschließen

Washington - Als im März die Entdeckung von Gravitationswellen mit dem Radioteleskop BICEP2 am Südpol gemeldet wurde, war der Jubel groß - schien dies doch eine wichtige kosmologische Hypothese zu stützen. Laut der Inflationstheorie des Universums gab es unmittelbar nach dem Urknall eine extrem rasche Expansionsphase, in der Gravitationswellen entstanden, die der kosmischen Hintergrundstrahlung ein charakteristisches Muster aufprägten. 

In die erste Euphorie mischten sich aber bald auch skeptische Stimmen - bis schließlich im Mai zwei Studien erschienen, die eine leider wesentlich banalere Erklärung für die BICEP2-Daten anboten: Kosmischer Staub könnte die Ergebnisse verursacht haben ("Neue Zweifel an uralten Gravitationswellen"). Auch kosmischer Staub sende leuchtende polarisierte Strahlung aus, sagte Princeton-Physiker David Spiegel - diese allein sei also kein Nachweis für Gravitationswellen.

Neue Vorsicht

Nun zweifeln auch die Forscher selbst an ihren Ergebnissen. Nach wochenlangem Schweigen ging das Team um John Kovac vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics auf die Skepsis ein und räumten ein, dass ihre Modelle Grenzen hätten und ein Irrtum nicht ausgeschlossen sei. Dass strahlender kosmischer Staub hinter ihren Ergebnissen stecke, sei "nicht auszuschließen", schrieben die Forscher in der Fachzeitschrift "Physical Review Letters". Ursprünglich hatten sie erklärt, dass sie Staub als mögliche Störquelle berücksichtigt hätten.

Endgültige Klarheit könnte es im Herbst geben. Dann veröffentlichen Forscher, die mit dem Planck-Teleskop der Europäischen Weltraumagentur (ESA) dem Urknall nachspürten, ihre Ergebnisse. Das Team habe auf sechs verschiedenen Frequenzen nach Gravitationswellen gesucht, die Havard-Forscher hingegen nur auf einer, sagte Spiegel. (APA/red, derStandard.at, 20. 6. 2014)

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