Songwriter Gerry Goffin gestorben

20. Juni 2014, 12:12
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Der 1939 geborene US-Songschreiber wurde in den 1960er-Jahren mit seiner Partnerin Carole King weltberühmt

Los Angeles, Wien - Gemeinhin spricht man der Fließbandarbeit jedes Gefühl ab. Doch Gerry Goffin bildete im Verein mit Carole King eine berühmte Ausnahme. Als Komponisten- und Songwriterduo formulierten sie in den 1950er- und 1960er-Jahren die Gefühle eine Generation. King schrieb die Musik, Goffin die Texte. Gemeinsam wurden sie weltberühmt. Nun ist Gerry Goffin im Alter von 75 Jahren in Los Angeles gestorben.

In knappen drei Minuten schuf die Trademark Goffin/King Minidramen, deren Handlung im Reich der Liebe, zwischen Hoffnung, Glaube und Enttäuschung angesiedelt war. Und sie produzierten buchstäblich wie am Fließband, zu festen Bürozeiten.

Als Angestellte des Musikverlags Aldon Publishing gehörten die beiden zum Stab jener Komponisten und Musiker, die den so genannten Brill-Building-Sound schufen. Ein Synonym für ebenjene Songs, die für die erste Generation Popmusikpublikum maßgeschneidert wurden.

Geboren wurde Goffin am 11. Februar 1939 in New York. Am College traf er Carole King, die damals noch Carole Klein hieß. Sie verliebten sich und heirateten, als King schwanger wurde. Da war er 20 und sie gerade 17 Jahre alt. Einen ihrer größten Hits sang ihr Babysitter „Little Eva“: Es war Loco-Motion, einer von ein paar Dutzend Hits, die Goffin/King für andere schrieben und die sich millionenfach verkauften, ohne dass Goffin oder King deshalb mehr verdienten, als ihnen ihr Arbeitsvertrag zugestand.

Depressionen und LSD

Zu anderen Meisterwerken aus Goffins Feder zählten Take Good Care of My Baby (berühmt gemacht von Bobby Vee), Will You Love Me Tomorrow? (The Shirelles) oder Go Away Little Girl, das gleich von drei verschiedenen Sängern zum Hit gemacht wurde.

Sogar als die Liebe zwischen Goffin und King bröckelte und sie sich 1969 scheiden ließen, arbeiteten sie weiter zusammen. Selbst getrennt war beiden eine große Karriere beschieden. King wurde Solokünstlerin und war allein mit ihrem zweiten Album Tapestry über 300 Wochen in den Charts.

In den 1960ern wurden bei Goffin Depressionen diagnostiziert. Er erhielt die zeitgeistig übliche Behandlung aus Elektroschocks und Lithium. Dazu kam seine Selbstbehandlung mit LSD und Meskalin. Wenn seine Kreativität darunter gelitten haben sollte, hat man es nicht gemerkt.

Goffin schrieb weiter Hits und Welthits für Stars wie Diana Ross, Roberta Flack, Aretha Franklin, Rod Stewart, die Righteous Brothers, George Benson, Whitney Houston, Dusty Springfield und andere. Die Beatles verehrten und interpretierten seine Songs genauso wie die Monkees, Taj Mahal oder Gene Pitney. Die Liste ist lang. Richtig lang.

Goffins eigenes Werk blieb schmal und war im Vergleich zu King nur bescheiden erfolgreich:_1973 veröffentlichte er das Album It Ain’t Exactly Entertainment, 1996 Back Room Blood.

Auf Ersterem befindet sich It’s Not the Spotlight. Ein autobiografischer Titel, in dem sich Goffin weder im Scheinwerferlicht noch im Kerzenschein gegenüber seiner Angebeteten erfolgreich sieht. Auch diesen Titel hat ein anderer – Soul-Mann Bobby Blue Bland – erfolgreicher interpretiert als sein Urheber Gerry Goffin, dieses Genie im Schatten des Business. (Karl Fluch, DER STANDARD, 23. 6. 2014)

  • Gerry Goffin bei einer  Ehrung 2012.
Der große Songwriter ist im Alter von 75 Jahren
gestorben.
    foto: reuters

    Gerry Goffin bei einer Ehrung 2012.

    Der große Songwriter ist im Alter von 75 Jahren

    gestorben.

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