Online-Händler: "Spieler sind keine Verbrecher und brauchen kein DRM"

20. Juni 2014, 10:42
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GoG-Manager Rambourg darüber, weshalb sich die Branche mit Kopierschutzsystemen ins eigene Fleisch schneidet

Egal, ob man ein Videospiel im Handel oder als Download erwirbt, die meisten Werke sind in irgendeiner Form durch ein DRM-System (Digitales Rechtemanagment) vor der Vervielfältigung geschützt. Heute geschieht dies zumeist über eine verpflichtende Online-Aktivierung wie über den PC-Spieldienst Steam oder ein Konsolennetzwerk vom Schlage PSN oder Xbox Live.

Ein Videospielanbieter, der von derartigen Maßnahmen absieht, ist Good old Games (GoG). Spiele, die hier online erworben werden, lädt man herunter und installiert sie schlicht und einfach - ohne einen Code eingeben oder die Kopie aktivieren zu müssen. Wenngleich dies gegen die Bestreben zahlreicher Hersteller und Herausgeber spricht, ihre Werke zu schützen, wird GoG auch weiterhin an diesem Vertriebsmodell festhalten, wie Guillaume Rambourg, Leiter für den nordamerikanischen Markt, in einem Interview mit Eurogamer.de erklärt.

DRM zwecklos?

Die Beweggründe für diese Entscheidung: Kopierschutzsysteme funktionieren laut Rambourg in der Praxis nicht und am Ende treffe es nur die ehrlichen Kunden.

"Es dauert nur ein paar Sekunden (und ein paar Suchen auf Google), um zu sehen, dass DRM einfach kein Produkt schützen kann. Leider ist jeder Titel, sei es nun ein obskurer Indie- oder ein Triple-A-Titel, auf den Seiten der Raubkopierer erhältlich und es braucht nur ein paar Klicks, um ihn illegal herunterzuladen", so der GoG-Manager. "DRM trifft am Ende nur die ehrlichen, leidenschaftlichen Spieler da draußen. Die Spieler, die bereits sind, 50 Dollar und mehr für ihr Lieblings-Triple-A-Produkt zu bezahlen und unsere Industrie unterstützen. Nervige Online-Aktivierungen? Der Zwang, sich online authentifizieren zu müssen, nur um den Einzelspielermodus eines Lieblingsspiels zu starten? Oder noch schlimmer: immer online dafür sein zu müssen? Das ist kein guter Weg, um diese treuen Käufer zu belohnen, die einen Teil ihres Einkommens für eines deiner (teilweise teuren) Produkte auf den Tisch gelegt haben."

Schizophrenes Modell

Mit dieser Herangehensweise schneide sich die Branche ins eigene Fleisch. "Unsere Industrie sollte diese Spieler feiern und mit Respekt behandeln. Es sind diese Leute, die unsere Gehälter, Server, Entwicklungen und noch mehr bezahlen. Stattdessen machen wir es für sie zu einer frustrierenden Erfahrung. Es ist doch schizophren: DRM ist nicht in der Lage, Produkte zu schützen, aber es schadet auf lange Sicht deinen Fans und deinen Marken", sagt Rambourg.

Dass dies nicht notwendig sei, beweise der Erfolg seiner Plattform. Monatlich würden zwei Millionen Menschen die Seite besuchen und auf den 750 Titel fassenden Katalog zugreifen. GoG sei seit Tag eins profitabel und daran habe sich auch ohne DRM-System innerhalb der vergangenen fünf Jahre nichts geändert. "Lasst es uns einfach für die Spieler machen und die, die unsere Produkte kaufen, belohnen. Sie sind keine Verbrecher und brauchen ein DRM sicher nicht." (zw, derStandard.at, 20.6.2014)

  • Achten Sie bei Ihrem Kauf darauf, dass ein Spiel DRM-frei ist?
    foto: ap photo/jae c. hong

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