Bestechungsvorwürfe bringen Rumäniens Präsidenten unter Druck

20. Juni 2014, 08:23
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Der Bruder Traian Basescus soll sich für einen Mafiaboss eingesetzt haben 

In Rumänien lässt ein Bestechungs- und Erpressungsfall um Mircea Basescu, den Bruder des Staatschefs Traian Basescu, den Konflikt zwischen Sozialisten und bürgerlichem Lager neu aufflammen. Am Mittwoch veröffentlichte Aufnahmen scheinen zu belegen, dass Mircea Basescu sich bestechen ließ. Donnerstag wurde er vorübergehend verhaftet.

Im Gegenzug zu Zahlungen sollte Basescu seinen angeblichen Einfluss auf Richter und den Staatschef geltend machen, um die Haftentlassung eines berüchtigten Kriminellen erwirken, so der Vorwurf. "Bercea Mondial", bürgerlich Sandu Anghel, gilt als Oberhaupt eines mafiösen Clans. In den letzten zwanzig Jahren hat er mithilfe von Beziehungen zu Politik, Wirtschaft und Justiz unter anderem aus Alteisen-Diebstahl und Handel mit Luxusautos ein Euromillionen-Imperium aufgebaut. Derzeit sitzt er eine über achtjährige Haft ab, nachdem er 2011 mit einem Messer auf einen seiner Neffen eingestochen hat. Weil Mircea Basescu 2010 Taufpate einer Enkelin des Clanoberhaupts war, gilt er nach rumänischem Brauch praktisch als sein Verwandter.

"Haufen US-Dollar"

In den Aufnahmen ist von 250.000 und 350.000 Euro die Rede, wobei Mircea Basescu mit der Aussage zu hören ist, ihm sei "dieser Haufen US-Dollar in den Schoß gelegt worden". Er verspricht, "alles zu tun", um ein Berufungsverfahren zu erwirken und versichert, auch mit dem Präsidenten zu sprechen, der bereits über den Fall Bescheid wisse.

Diese Aussagen seien "aus dem Kontext gerissen", behauptet nun Mircea Basescu. Sie würden auch jene Version bestätigen, die er in einer kürzlich eingebrachten Erpressungsklage gegen die Anghels dargelegt hatte. Der Sohn von "Bercea Mondial", Florin Anghel, sowie ein Schwiegersohn, hatten danach gegen Basescu eine Klage wegen unlauterer Einflussnahme, Betrugs und Irreführung der Behörden eingebracht und die Aufnahmen einem TV-Sender zugespielt.

Der sozialdemokratische Premierminister Victor Ponta forderte den Rücktritt des Präsidenten, "um das Prestige und die reale Unabhängigkeit der Justiz zu verteidigen". "Jeder Präsident eines europäischen Landes müsste in einer derartigen Situation zurücktreten", so Ponta.

Präsident Basescu wiederum versicherte, dass er nie mit seinem Bruder über den Fall gesprochen habe und ihn auch nicht schützen werde: "Ich werde nicht zum Anwalt meines Bruders werden, zumal er sich in ein Milieu verwickeln ließ, in das er nicht hätte verwickeln lassen sollen." (Laura Balomiri aus Bukarest, DER STANDARD, 20.6.2014)

  • Rumäniens Präsident  Traian  Basescu nach der Niederlage bei der  EU-Wahl.  Nun droht  ihm erneut  Ungemach.
    foto: epa/mihai barbu

    Rumäniens Präsident Traian Basescu nach der Niederlage bei der EU-Wahl. Nun droht ihm erneut Ungemach.

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