Musikverein: Das orchestrale Fortissimo der Oper

20. Juni 2014, 06:43
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Das Orchestre de l'Opéra de Paris in Wien

Wien - Die Opéra national de Paris bespielt zwei Häuser, das Palais Garnier und die Opéra Bastille. Und auch das 174 Mitglieder zählende Orchestre de l'Opéra de Paris ist in zwei Gruppen unterteilt: Die blaue Equipe, das seien eher die feinen Seigneurs, erzählte deren Musikdirektor Philippe Jordan einmal, und die grüne Gruppe wäre etwas verrückter und experimentierfreudiger. Bei Werken von Wagner, Strauss und Berlioz konnte man die Qualitäten des blau-grünen Kollektivs in einem akkuraten Musizieren erkennen.

Hierin sind sich die Musiker mit ihrem Chef ziemlich ähnlich. Das Schlagwerk, inklusive der Pauken, präsentierte sich in Berlioz' Symphonie fantastique als eine Macht. Wundervoll hell und kompakt die Trompeten. Das Orchester wie auch der zwischen Turniertänzer und Torero changierende Großgestiker Jordan liefen da zu Hochform auf. Vorrangig laut und üppig wurden zuvor drei Strauss-Lieder musiziert: "So wühlend quoll das strömende Lied", wie es im Notturno op. 44/1 heißt. Der Mond schien hier hell wie eine Neonröhre.

Lediglich bei Solist Thomas Hampson hatte man das Gefühl, dass ihm das Dauerfortissimo stimmlich gar nicht so ungelegen kam. Ein eiliges Morgen von Strauss wurde zugegeben. Am Beginn des Konzerts stand eine nobel präsentierte Tannhäuser-Ouvertüre, am Ende als Zugabe die Walzermusik aus Gounods Faust. Zu Beginn eher straff musiziert, ließ der kommende Chefdirigent der Wiener Symphoniker die melodischen Linien kunstvoll erblühen. Lautstarke Begeisterung. (Stefan Ender, DER STANDARD, 20.6.2014)

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