Rossella Orlandi leitet die italienische Steuerbehörde

Kopf des Tages19. Juni 2014, 19:15
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Kampf gegen Steuerflucht hat einen Namen

Die Juristin Rossella Orlandi hat sich fast Unmögliches vorgenommen: Sie will die Steuermoral in Italien verbessern und die Italiener zu ehrlichen Steuerzahlern erziehen. Der neuen Chefin des Finanzamtes "Agenzia delle entrate" in Rom ist ein derart verwegener Plan zuzutrauen. Denn die 58-Jährige hat nicht nur profunde Kenntnis der Steuern, sie hat sich auch durch ihren eisernen Willen, ihre strategischen Fähigkeiten und vor allem durch ihre Teamarbeit einen Namen gemacht.

So hat sie denn auch als erste Maßnahme in ihrer neuen Tätigkeit eine Durchforstung und Vereinfachung der Steuerpraktiken des Steuerdschungels angekündigt. Damit liegt sie auf der von Regierungschef Matteo Renzi vorgegebenen Linie: "Ich kenne mich bei meinen Steuern selbst nicht aus" , gab der Regierungschef kürzlich in einer Talkshow zu. Tatsache ist, dass es kaum ein Italiener zustande bringt, seine Steuererklärung selbst zu verfassen. Für Steuerberater ist Italien ein Eldorado.

Während die Festangestellten in Italien unter einem Steuerdruck von bis zu 46 Prozent ihres Einkommens stöhnen, floriert die Steuerflucht bei den Selbstständigen. Laut Schätzungen des Sozialforschungsinstituts Censis gehen dem Fiskus jährlich bis zu 150 Milliarden Euro durch Steuerflucht verloren - das entspricht rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. So hat die Regierung der Steuerflucht den Kampf angesagt. Durch die erwarteten Mehreinnahmen sollen eine Steuerumverteilung und ein Steuerabbau finanziert werden. "Der ehrliche Steuerzahler soll es künftig einfacher haben, der Steuersünder zur Verantwortung gezogen werden", meinte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan. Er wolle mit Rossella Orlandi Hand in Hand arbeiten.

Geplant ist, durch neue Datenbanken die Kontrolle zu verschärfen. Der Fokus liegt dabei auf der Hinterziehung der Mehrwertsteuer. Aber grundlegend sei, sagt Orlandi, dass bereits die Jugend zur Ehrlichkeit erzogen werde. Die in der Toskana geborene Juristin ist nach ihrem "summa cum laude" abgeschlossenen Studium 1981 in das Finanzamt in Empoli eingetreten und avancierte dort innerhalb weniger Jahre zur Vizedirektorin, bis sie vorerst in Rom und später in Turin für die Steuerkontrollen zuständig war. International machte sie sich einen Namen, indem sie bei verschiedenen Fachseminaren der OECD mit innovativen Kontrolltechnologien punktete. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 20.6.2014)

  • Rossella Orlandi, die "Eiserne Lady" Italiens

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