Ghizzoni: "Italien braucht mehr Investitionen"

Interview20. Juni 2014, 05:40
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In Wien soll die erste mobile Pop-up-Filiale vorgestellt werden, sagt der Chef der Bank-Austria-Mutter Unicredit, Federico Ghizzoni

STANDARD: Wie bewerten Sie den geplanten Schuldenschnitt bei der Hypo Alpe Adria Bank?

Ghizzoni: Die Tatsache, dass die Garantie für die Gläubigerbanken nicht anerkannt wird, wirkt sich zweifellos negativ auf das Vertrauen gegenüber Banken mit Staatsgarantien aus. Auch schließe ich kurzfristig eine Erhöhung der Finanzierungskosten für die Banken nicht aus. Die Entscheidung ist nicht zu unterschätzen.

STANDARD: Wie entwickelt sich das Geschäft in Osteuropa? Planen Sie weitere Beteiligungsveräußerungen in Osteuropa?

Ghizzoni: Das Geschäft in Osteuropa läuft 2014 besser als erwartet. Nachdem wir die Beteiligung in Kasachstan und in den baltischen Staaten verkauft und die Fusion zwischen den Banken in Tschechien und der Slowakei abgeschlossen haben, stehen wir in Verhandlungen über den Verkauf der Beteiligung in der Ukraine. Damit ist unsere Restrukturierung für Osteuropa praktisch abgeschlossen.

STANDARD: Welche Auswirkungen hat die derzeitige politische Krise zwischen Russland und der Ukraine auf das Unicredit-Geschäft?

Ghizzoni: Unsere Ausleihungen in der Ukraine machen nur 0,4 Prozent der gesamten Ausleihungen und vier Prozent der Ausleihungen in Osteuropa aus. Im ersten Quartal schrieb die Ukrsotsbank einen Nettoverlust von 4,9 Millionen Euro. In Russland läuft das Geschäft weiterhin gut.

STANDARD: Unicredit hat in den letzten Jahren zig Milliarden Goodwill- und Kreditabschreibungen getätigt. Kommt noch mehr?

Ghizzoni: Es gibt noch Goodwill-Positionen in Polen, Deutschland oder bei Pioneer. Ich sehe derzeit keine Notwendigkeit, diese abzuschreiben. Wir sind mit dem Goodwill auf Vorkrisenstand.

STANDARD: Nach einem Verlust von 14 Milliarden Euro im Vorjahr will Unicredit heuer einen Gewinn von zwei Milliarden Euro schreiben. Auch in Italien?

Ghizzoni: Ja. Wir haben die Gewinnprognose trotz der neuen Steuer auf die Aufwertung der Banca-d'Italia-Anteile, die uns rund 200 Millionen Euro kostet, nicht korrigiert.

STANDARD: Wie werten Sie die jüngsten Entscheidungen der EZB? Hat Unicredit schon einen Teil der langfristigen Refinanzierungen (LTRO) zurückgezahlt?

Ghizzoni: Die EZB hat klare Signale für eine Wachstumspolitik gegeben und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Auch bewies die EZB ihre Unabhängigkeit. Unicredit hat von insgesamt 26 Milliarden bereits 15 Milliarden Euro zurückgezahlt, der Rest wird in den nächsten Monaten getilgt.

STANDARD: Was muss Italien unternehmen, um die Wirtschaft anzukurbeln?

Ghizzoni: Offensichtlich wächst Italien in diesem Jahr mit erwartet 0,6 Prozent langsamer als etwa Österreich. In Italien herrscht Stagnation. Nötig ist, die seit 2008 um 28 Prozent zurückgegangenen Investitionen der Unternehmen durch Reformen und Steuerabbau anzukurbeln. Regierungschef Matteo Renzi zeigt bei den Reformen wesentlich mehr Dynamik als seine Vorgänger.

STANDARD: Wo investieren Sie?

Ghizzoni: In Filialen. In Wien werden wir beim Filmfestival auf dem Rathausplatz die erste mobile "Pop-up-Filiale" vorstellen. Dieses Modell soll dann auch in Italien und Deutschland eingeführt werden. Wir investieren aber auch in den Vertrieb von innovativen Nicht-Bank-Produkten in unseren Filialen. So haben wir in den letzten sechs Monaten mit dem Verkauf von Smartphones und Tablets einen Marktanteil von 20 Prozent in Italien erzielt. Das Geschäft mit TV- oder Fitnessgeräten läuft besser als erwartet und soll die Beziehung zu den Kunden festigen. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 20.6.2014)

Federico Ghizzoni (58) ist seit dreieinhalb Jahren Unicredit-Chef. Der Jurist und Vater zweier Söhne war davor in einigen Osttöchtern der Bank.

  • Federico Ghizzoni will in innovative Filialen investieren.
    foto: reuters

    Federico Ghizzoni will in innovative Filialen investieren.

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