Urteil im Stadler-Prozess: Um Geld und Ehre

Kommentar19. Juni 2014, 18:39
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Interessante Einblicke in die Gepflogenheiten beim rechten Lager

Die Paintball-Spiele, die Heinz-Christian Strache in seiner Jugend getrieben hat, haben nun die Justiz beschäftigt. Das hat interessante Einblicke in die Gepflogenheiten im rechten Lager gegeben. Man versteht nun besser, worum man dort streitet.

Dabei geht es offenbar gar nicht so sehr darum, in welchen Kreisen der junge Herr Strache seine Freizeit verbracht hat. Vielmehr hat der Prozess gezeigt, welche Sorgen man sich angesichts der absehbaren öffentlichen Diskussion darüber gemacht hat. Wobei diese Sorgen bei den Beteiligten unterschiedliche Ausdrucksformen angenommen haben: Ewald Stadler, der selber lange als Integrationsfigur des rechten Lagers gegolten hat, habe ja nur aus Sorge um seine (damalige) Partei die Bilder von Straches Jugendabenteuern thematisiert. Ehrensache.

Strache und seine Getreuen aber fühlten sich massiv bedroht (was ihnen das Gericht in erster Instanz geglaubt hat): Was macht denn das für einen Eindruck, wenn die alte G'schicht' zum Politikum wird! Nun: Sie ist es geworden. Und sie hat Strache nicht geschadet - wer bereit ist, freiheitlich zu wählen, vergibt solche Jugendsünden. Die anderen aber können aus dem Prozessverlauf lernen, dass es bei den FPÖ-Streitigkeiten nur vordergründig um ehrenhaftes Verhalten gegangen ist. Dahinter sind Geldinteressen gestanden.

Genauer: Interessen, mit Steuergeld rechte Bildungsarbeit zu machen. Danke für die Erinnerung daran. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 20.6.2014)

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