Krise traf die Ärmsten am stärksten

20. Juni 2014, 05:30
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In den Industrieländern - auch in Österreich - musste das unterste Zehntel seit 2007 die höchsten Einkommensverluste hinnehmen

Paris/Wien - Die Ungleichheit in den Industriestaaten ist in der Krise gestiegen. In Österreich musste das unterste Einkommenszehntel von 2007 bis 2011 jährliche Einbußen von 0,8 Prozent hinnehmen. Zum Vergleich: Die Topverdiener kamen auf einen Zuwachs von 1,5 Prozent per anno, der Medianwert (50 Prozent liegen darunter, 50 Prozent darüber) legte immerhin um 1,3 Prozent zu. Das geht aus einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Donnerstag präsentiert wurde.

Gemessen wurde dabei das verfügbare Einkommen, das dem Nettoeinkommen zuzüglich staatlicher Transfers entspricht. Der Median ist - im Unterschied zu Österreich - OECD-weit in den Jahren der Krise um 0,53 Prozent jährlich geschrumpft, die Einbußen der Ärmsten sind mit 1,61 Prozent drei Mal so groß.

Krisenländer bluten

Besonders hart getroffen wurden die Krisenländer: In Griechenland gingen die Einkommen um gut acht Prozent zurück, jene des untersten Dezils sogar um 12,7 Prozent. In Spanien liegen die Kürzungen der Niedrigverdienste mit 12,9 Prozent sogar noch etwas höher. Keine Einbußen gab es hingegen in Deutschland, den höchsten Zuwachs in Chile.

Die unterschiedlichen Entwicklungen bei den Markteinkommen haben die Ungleichheit vergrößert, allerdings wurden die Folgen durch Staatseingriffe abgefedert. Lag das Einkommen der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im OECD-Schnitt vor der Krise noch beim 9,3-Fachen des Einkommens der ärmsten zehn Prozent, so vergrößerte sich der Faktor im Jahr 2011 auf 9,6. In Deutschland (6,9) und Österreich (7,1) war der Abstand zwischen unteren und oberen Einkommen bedeutend geringer, heißt es in der Untersuchung der Industriestaatenorganisation. Unter dem Strich seien die "Lasten nicht gleichmäßig verteilt".

Junge am stärksten armutsgefährdet

Durch die hohe Jugendarbeitslosigkeit insbesondere in den Krisenländern hat sich auch die Armutsgefährdung deutlich von Alt zu Jung verschoben. 2011 wurde nun erstmals festgestellt, dass die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen das höchste Armutsrisiko hat.

Personen im Alter von 66 bis 75 Jahren waren erstmals die Gruppe mit der geringsten Armutsgefährdung. Sie lag in der OECD um ein Viertel unter jener der Gesamtbevölkerung. In den Industriestaaten konnten sich zudem seit Ausbruch der Krise nur Ältere Einbußen beim verfügbaren Einkommen entziehen. Alle anderen Gruppen mussten Rückgänge hinnehmen.

Auch in Österreich ist die Armutsgefährdung wegen der Krise gestiegen - von 7,2 auf neun Prozent. Die Entwicklung betrachtet nach Generationen ist laut OECD relativ gleichförmig. (as, DER STANDARD, 20.6.2014)

  • Armut und Ungleichheit sind in den Industriestaaten gestiegen.
    foto: dpa/maurizio gambarini

    Armut und Ungleichheit sind in den Industriestaaten gestiegen.

  • In der OECD sind die unteren Einkommen besonders stark gesunken.

    In der OECD sind die unteren Einkommen besonders stark gesunken.

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