Landesmeisterschaft

Kolumne19. Juni 2014, 16:33
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Es droht Ungemach. Denn die Seleção vermochte in ihren ersten beiden Partien nicht wirklich zu überzeugen. Natürlich wird sie die Vorrunde überstehen. Die Brasilianer lieben ihr Team nach wie vor, glauben an es und an Gott. Aber ein Scheitern im Achtel- oder Viertelfinale hätte fatale Folgen. Die Stimmung im Lande würde kippen, das Interesse sinken, der Samba hätte Pause. Die Aufräumarbeiten müssten früher als befürchtet beginnen. Für die restliche, vor Flachbildschirmen sitzende Welt wäre es halb so wild, die Fußballspiele blieben ja großartig.

Die EM 2020 wird in 13 Ländern und Städten abgewickelt, also über den Kontinent verteilt. Damit jeder davon etwas hat. Schmiergeldzahlungen sind nicht ganz, aber fast ausgeschlossen. Es müssen keine neuen Stadien im Urwald, in der Wüste oder auf Bergspitzen gebaut werden. Der Steuerzahler frohlockt. Vorschlag an Fifa-Boss Joseph S. Blatter, dem der Ruf des Friedensapostels, Korruptionshassers und Visionärs vorauseilt, wobei er halt ab und zu auch enteilt: Die Weltmeisterschaft könnte, wie es der Name sagt, auf der ganzen Welt stattfinden. Sonst hieße sie ja Landesmeisterschaft. Und Sie, Herr Blatter, kämen Ihrem Wunsch nach einer interplanetaren Veranstaltung einen weiteren Schritt näher.

Selbstverständlich wäre das eine organisatorische Herausforderung. Es bedarf einigen Fingerspitzengefühls, die vielen Zeitzonen sind ein Gegenargument. Die drei Vorrundenspiele der Deutschen sollten nicht in München, Montreal und Melbourne angesetzt werden. Andererseits: Warum nicht? 2018 geht nicht, da ist Russland dran. 2022 ginge schon. Statt Katar. Aber vielleicht wird Brasilien eh Weltmeister. (Christian Hackl, DER STANDARD, 20.6.2014)

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