Langsames Internet und Zensur bremsen deutsche Wirtschaft in China

19. Juni 2014, 12:58
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Deutsche Firmen im Reich der Mitte vorsichtig optimistisch,  Westliche Zeitungsseiten, Google und Facebook gesperrt

Das langsame Internet und die Zensur in China entwickeln sich zu einer wachsenden Hürde für die Geschäfte deutscher Unternehmen im Reich der Mitte. In einer Umfrage der deutschen Handelskammer nahmen die Klagen über schlechten Onlinezugang im Vergleich zum Vorjahr um 9,6 Punkte auf den Rekordwert von 59 Prozent zu. Das Geschäftsklima insgesamt wurde "zurückhaltend positiv" beschrieben.

Nach den Ergebnissen, die am Donnerstag in Peking vorgelegt wurden, zeigt sich aber leichte Investitionszurückhaltung. Die marktwirtschaftlichen Reformbeschlüsse der Kommunistischen Partei von Ende vergangenen Jahres werden zwar begrüßt, doch gibt es angesichts einer schleppenden Umsetzung noch eine "abwartende Haltung", wie der Kammerpräsident Lothar Herrmann vor Journalisten sagte. Trotz schwächeren Wachstums der chinesischen Wirtschaft erwarten gleichwohl mehr deutsche Unternehmen als im Vorjahr einen Anstieg ihrer Umsätze und der Gewinne in China.

Internetgeschwindigkeit habe "spürbar abgenommen"

Drei Viertel beklagen die größten Probleme im Personalbereich, da Löhne steigen und qualifizierte Mitarbeiter schwer zu finden und zu halten sind. Zur größten Herausforderung, die nicht mit Personal zu tun hat, stieg erstmals das langsame Internet auf. 44 Prozent beklagten zudem Online-Zensur. Auch nach einer separaten Umfrage der EU-Handelskammer in China sahen 86 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäfte durch das langsame Internet "negativ" beeinflusst.

"Die Internetgeschwindigkeit hat in den vergangenen Monaten spürbar abgenommen, während Zugang zu ausländischen Webseiten allgemein weniger verlässlich geworden ist", stellt die Kammer in einer Analyse fest. Die Internetprobleme führten auch dazu, dass sich weniger Unternehmen als im Vorjahr an der Erhebung beteiligten. Nur 417 oder 17,4 Prozent der 2.400 Mitgliedsunternehmen beantworteten die Online-Umfrage, die über einen Server in den USA lief. "Mehr als 30 Prozent" brachen die Teilnahme zwischendurch ab, weil die Verbindung zu langsam war, wie die Organisatoren berichteten.

China blockt Google

"Es ist extrem wichtig, dass es stabile Zugänge gibt", mahnte Kammerpräsident Herrmann mit Blick auf die wachsende Zahl von Unternehmen, die mit Online-Datenlagern (Cloud) und neuen Medien arbeiten. Die Zensur und Störungen von Tunneldiensten, mit denen die "Große Firewall" genannten Internetsperren in China umgangen werden können, haben seit Februar zugenommen. Seit diesem Monat blockt China auch Dienste von Google. Suchen gehen ins Leere. Auch sind E-Mail-Dienste von Google meist nicht mehr zugänglich. Ohnehin sind Facebook, Twitter, Youtube oder Webseiten der "Süddeutschen Zeitung", der "New York Times" oder des "Wall Street Journals" gesperrt.

Erstmals wachsen auch wieder die Sorgen deutscher Unternehmen über mangelnden Schutz der Urheberrechte in China. 58 Prozent haben damit Probleme - ein Plus von 5,8 Punkte. Zudem macht ihnen Protektionismus stärker zu schaffen. Die Klagen stiegen um 8,9 Punkte auf 58 Prozent.

Markt ist wichtig

Während das deutsche China-Geschäft trotz allem gut läuft, wächst die Bedeutung des chinesischen Marktes. Für jedes sechste Unternehmen, das an der Umfrage teilgenommen hat, ist China der größte einzelne Markt. Für 46,5 Prozent gehört das Reich der Mitte zu den drei wichtigsten Märkten. Das große Verkaufspotenzial im Milliardenreich ist für 73,6 Prozent der Hauptgrund für die China-Aktivitäten. Niedrige Produktionskosten nennen nur 33,4 Prozent.

Die Einschätzung des Geschäftsklimas aus deutscher Sicht fällt deutlich besser aus als eine Umfrage der Europäischen Handelskammer diesen Monat, wonach "die goldenen Zeiten in China vorbei sind". Experten erklärten die gute Stimmung vor allem mit den deutschen Auto- und Maschinenbauern, die blühende Geschäfte in China machen und stark in der Umfrage der deutschen Kammer vertreten waren. (APA/dpa, derStandard.at, 19.6.2014)

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