Spaniens neuer König feiert nüchterne Krönung

19. Juni 2014, 10:54
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Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen und Demonstrationsverbot beging Felipe VI. am Donnerstag seinen ersten Tag als spanischer König. Die Begeisterung in der Bevölkerung blieb eher verhalten.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So auch die Krönung des neuen spanischen Monarchen Felipe VI. gestern, Donnerstag. Wer hoffte, zu Fronleichnam ausschlafen zu können, wurde enttäuscht. Die Bewohner der Madrider Innenstadt wurden früh durch unerträglichen Hubschrauberlärm aus dem Schlaf gerissen. Die Polizei überflog stundenlang das Zentrum. Rund 9000 Beamte sorgten für die Sicherheit, 120 Scharfschützen lagen auf den Dächern. Demonstrationen waren im gesamten Stadtgebiet verboten.

Wer eine Trikolore der Republik mit sich führte, wurde an den zahlreichen Polizeisperren aufgehalten. Mindestens fünf Menschen wurden verhaftet. Ihr Vergehen: Sie riefen ein Hoch auf die Republik, als die Luxuslimousine des neuen Monarchen Felipe VI. in Sichtweite kam. Bereits am Vorabend hatte die Polizei die zentrale Puerta del Sol geräumt. Touristen und Passanten mussten den Platz, auf dem 2011 Spaniens Empörte campten, verlassen. Ein riesiges Foto des neuen Königspaares wurde aufgehängt.

Antrittsrede in Uniform

"Heute ist ein Tag, an dem es mir gefallen würde, wenn wir nach vorn schauen, in die Zukunft, in Richtung eines renovierten Spaniens, das wir weiter aufbauen werden", erklärte Felipe VI. in seiner Ansprache vor dem Parlament. Der 46-jährige Monarch trug dabei, wie einst sein Vater 1975, die Uniform des Oberbefehlshabers der Streitkräfte.

Der gestrige Tag war das Ende eines eiligst herbeigeführten Wechsels an der Spitze des spanischen Staates. Der seit 1975 amtierende König Juan Carlos (76) hatte Anfang des Monats überraschend abgedankt. Durch Korruptionsskandale in der eigenen Familie und durch unrühmliche Jagdausflüge erreichte seine Beliebtheit bei den Untertanen ein Tief, wie es die Monarchie seit Wiedereinführung nach dem Tod des Diktators Franco 1975 nicht gekannt hatte.

Das Interesse bei der Zeremonie im Parlament galt weniger den Anwesenden als denen, die nicht mit dabei waren. König Juan Carlos blieb ebenso zu Hause wie die Schwester des neuen Monarchen, Infanta Cristina. Gegen sie wird wegen Korruption ermittelt.

Auch bei den Abgeordneten blieb so mancher Stuhl leer. Die Vereinigte Linke (IU) und einige nationalistische Parteien aus dem nach Unabhängigkeit strebenden Katalonien und dem Baskenland blieben der Vereidigung fern. Sie fordern ein Referendum über die Staatsform.

Die beiden großen Parteien, der regierende konservative Partido Popular (PP) und der sozialistische PSOE, wollten davon nichts wissen. Sie hatten in nur zwei Wochen ein Nachfolgegesetz durch beide Parlamentskammern gestimmt.

Felipe VI. weiß um die schwelende Debatte in der Bevölkerung. "Die Krone muss die Nähe zu den Bürgern suchen und ständig deren Anerkennung, Respekt und Vertrauen gewinnen", erklärte der neue König. Doch trotz des Aufrufs der konservativen Bürgermeisterin Madrids, Ana Botella, den Regenten und dessen Frau Letizia einen würdigen Empfang zu bereiten, blieben Massen am Straßenrand vielerorts aus.

Vor dem Königspalast versammelten sich mehrere Tausend fähnchenschwingende Monarchisten. Sie winkten dem neuen Monarchen eifrig zu und applaudierten Felipe VI., als er auf jenem Balkon erschien, auf dem einst Diktator Franco seine Ansprachen hielt.

Die Debatte um die Staatsform ist mit der relativ schnellen Übergabe der Königswürde nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Trotz Demonstrationsverbots kam es auch am Krönungstag an mehreren Orten zu republikanischen Protesten. Eine Gruppe von rund 500 Menschen versuchte am frühen Nachmittag erneut, zur Puerta del Sol zu gelangen. Die Polizei verhinderte dies allerdings. Einige der Teilnehmer hatten sich den Mund mit einem Pflaster zugeklebt, auf dem das Wort "Freiheit" zu lesen war. (Reiner Wandler aus Madrid, DER STANDARD, 20.6.2014)

  • Spaniens neuer König mit Familie.
    foto: reuters/albert gea

    Spaniens neuer König mit Familie.

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