Tiere täuschen aus verschiedenen Gründen Gesundheit vor

22. Juni 2014, 14:18
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Schweizer Evolutionsbiologin analysierte das Verhalten verschiedener Tierarten im Krankheitsfall

Zürich - Kranke Tiere essen und trinken oft weniger, verringern ihre Aktivität und schlafen mehr. Dadurch sparen sie Energie für ihre Genesung. Schwäche zu zeigen kann in der Natur allerdings lebensgefährlich sein. Wenn Tiere krank sind, versuchen sie daher es sich nicht anmerken zu lassen.

Allerdings gilt dies nicht nur, wenn Feinde in der Nähe sind, die es auf schwache Beute abgesehen haben könnten. Auch in anderen Situationen geben sich Tiere gesünder, als sie sind. Etwa wenn sich eine Gelegenheit ergibt, sich fortzupflanzen, wenn sie sich um ihre Jungen kümmern oder wenn es um den Konkurrenzkampf mit Angehörigen der eigenen Spezies geht, berichtet die Evolutionsbiologin Patricia Lopes von der Universität Zürich im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B".

Von der Meta- zur eigenen Studie

Lopes hat zunächst eine Reihe früherer Studien analysiert. Es zeigte sich, dass so unterschiedliche Tiere wie Mäuse, Vögel, Hausschweine und Affen ihr Krankheitsverhalten je nach sozialer Situation verändern.

In einer eigenen Studie konnte Lopes zudem zeigen, dass sich kranke Zebrafinken so verhalten, als wären sie gesund, wenn sich ihnen die Gelegenheit zur Paarung bietet. "Grundsätzlich sollten sich kranke Tiere auch 'krank' verhalten, da sie dadurch Energie sparen können und schneller wieder gesund werden", erklärte Lopes in einer Mitteilung der Hochschule.

Taucht aber eine einmalige Möglichkeit auf, zum Beispiel sich fortzupflanzen, passen die Tiere ihr Verhalten gemäß ihren Prioritäten an und verbergen, dass sie krank sind. Bei limitierten Energiereserven könne dies für das Tier ein ernsthafter Kompromiss zwischen dem Wiedererlangen der eigenen Gesundheit und anderen Trieben sein.

Aufschlussreich für Verbreitung von Infektionen

Laut Lopes könnten die Erkenntnisse für das Verständnis der Verbreitung von Infektionskrankheiten wichtig sein. Wenn bekannt sei, wie der soziale Kontext das Verhalten eines Tiers beeinflusst, ließen sich Modelle zur frühzeitigen Entdeckung und Verbreitung von Infektionskrankheiten verbessern, sagte sie.

Dieses Wissen sei umso mehr von Bedeutung, da nach Angaben des US-Center for Disease Control (CDC) rund 60 Prozent aller Infektionskrankheiten beim Menschen ihren Ursprung im Tierreich haben. (APA/red, derStandard.at, 22. 6. 2014)

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