Forscher untersuchten Temperaturgeschichte des Great Barrier Reefs

21. Juni 2014, 18:00
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Wassertemperaturen lagen vor 20.000 bis 13.000 Jahren deutlich niedriger als bisher angenommen - Im Vergleich zu heute herrschte ein erstaunliches Nord-Süd-Gefälle

Bremen - Das Great Barriere Reef erstreckt sich vom zehnten bis zum 24. südlichen Breitengrad über eine Länge von etwa 2.000 Kilometern und bedeckt dabei eine Fläche fast so groß wie Deutschland. Im Lauf der letzten Jahrhunderttausende hat sich das UNESCO-Weltnaturerbe als hoch flexibles Ökosystem erwiesen, indem es, dem Rhythmus von Kalt- und Warmzeiten folgend, beträchtliche Meeresspiegel- und Temperaturschwankungen abfederte.

Das belegt nicht zuletzt eine aktuelle Studie in "Nature Communications". Sie basiert auf Bohrkernen, die ein internationales Forscherteam im Frühjahr 2010 während einer Expedition des International Ocean Discovery Program (IODP) am seewärtigen Rand des Barriere Reefs gewann. "Um das Temperaturregime im Riff zu rekonstruieren, haben wir eine Vielzahl von Korallenproben der Gattung Isopora analysiert und uns auf zwei Lokationen konzentriert: eine äquatornähere bei 17 Grad südlicher Breite und eine äquatorfernere bei 20 Grad", sagt Erstautor Thomas Felis vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen (MARUM).

Zwei bis drei Grad Temperaturgefälle

Mit der Uran-Thorium-Methode bestimmten die Wissenschafter zunächst das Alter der Korallen. Es umfasst den Zeitraum von 25.000 bis 12.000 Jahren vor heute und damit sowohl den Höhepunkt als auch die Schlussphase der letzten Kaltzeit. Anschließend untersuchten sie das Strontium-Kalzium-Verhältnis in den Korallen, um daraus die damals herrschenden Meerestemperaturen abzuleiten. "Bislang war relativ wenig darüber bekannt, wie die Meerestemperaturen vor Ost-Australien in diesem Abschnitt der Klimageschichte angestiegen sind", sagt Jody Webster von der Universität Sydney.

Heute liegen die jährlichen Durchschnittstemperaturen an der nördlichen Lokation bei 26,6 Grad Celsius und bei 26,0 drei Breitengrade weiter südlich. Während des Höhepunkts der letzten Kaltzeit lagen die Wassertemperaturen indes einige Grad Celsius niedriger als heute. Besonders überrascht Forscher aber vom Nord-Süd-Gefälle der Temperaturen im Riff: "An unserer südlichen, äquatorferneren Lokation war das Wasser während der Zeit vor 20.000 bis 13.000 Jahren um durchschnittlich zwei bis drei Grad kühler als weiter nördlich", berichtet Mitautorin Helen McGregor. "Heute dagegen beträgt der Temperaturunterschied nur weniger als 0,6 Grad Celsius."

Anpassungsfähige Korallen

Die Autoren vermuten, dass der Ostaustralstrom - eine Meeresströmung, die warmes, tropisches Wasser entlang der Ostküste des Kontinents von Nord nach Süd transportiert - damals schwächelte. Daher konnte kühleres, subtropisches Wasser aus dem Bereich der Tasmansee weiter nach Norden in das Barriereriff vordringen. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Isopora-Korallen in der Schlussphase der letzten Kaltzeit weit höheren Temperaturschwankungen unterworfen waren als bisher gedacht", so MARUM-Forscher Felis. Bleibt die Frage, wie es den Korallen gelang, sich innerhalb weniger Jahrtausende daran anzupassen und warum der Temperaturstress nicht dazu führte, dass sie aufhörten zu wachsen.

"Einerseits zeigt sich, dass die Korallen damals offenbar anpassungsfähiger waren als wir es uns bislang vorstellen konnten", so der Bremer Meeresgeologe. "Daraus dürfen wir allerdings nicht ableiten, dass das heutige Barriereriff in der Lage sein könnte, problemlos mit weiter ansteigenden Meerestemperaturen fertig zu werden." Schließlich lag das Temperaturniveau vor 20.000 Jahren deutlich unter dem heutigen. (red, derStandard.at, 21.6.2014)

  • Das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens ist das größte Korallenriff der Erde.
    foto: ap

    Das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens ist das größte Korallenriff der Erde.

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