Slowakischer Dissident Anton Srholec für Kreisky-Preis nominiert

20. Juni 2014, 08:32
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Salesianerpater war Zwangsarbeiter in einer tschechischen Uranmine und gründete ein Obdachlosenheim

Ein prominent besetztes Personenkomitee unter Führung von Ex-Caritas-Präsident Franz Küberl hat am Mittwoch den Slowaken Anton Srholec für den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte nominiert.

Der 1929 geborene Salesianerpater, der wegen eines missglückten Fluchtversuchs aus der Tschechoslowakei zehn Jahre in Arbeitslagern wie dem Uranbergwerk Jachymov inhaftiert war, absolvierte nach seiner Freilassung sein Theologiestudium in Italien. Zurück in der ČSSR war er für verschiedene im Untergrund vertriebene Zeitschriften tätig.

Gabriele Matzner, Österreichs ehemalige Botschafterin in der Slowakei, die in Bruno Kreiskys Kabinett tätig war, äußerte bei der Pressekonferenz in Wien die Ansicht, dass sich der unter dem Dollfuß-Regime und den Nationalsozialisten inhaftierte Altbundeskanzler und der heute 85-jährige Pater bestens verstanden hätten.

Srholec betreibt seit 22 Jahren am Stadtrand von Bratislava ein Obdachlosenheim, in dem etwa 40 Männer ohne Rücksicht auf religiöse Hintergründe versorgt werden. Außerdem ist er Vorsitzender der Konföderation politischer Häftlinge in der Slowakei.

Während er in der Bevölkerung wegen seines sozialen Engagements großes Ansehen genießt, ist die slowakische Amtskirche von dem Menschenrechtsaktivisten weniger begeistert: Als er 1999 mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet wurde, kamen aus der Slowakei zwei Busse voller Gläubiger, um an der Preisverleihung teilzunehmen, aber kein einziger offizieller Kirchenvertreter.

Srholec ist mit Róbert Bezák, dem 2012 vom Vatikan seines Amtes enthobenen Erzbischof der westslowakischen Diözese Trnava, befreundet und setzt sich für dessen Rehabilitierung ein.

Der Kreisky-Preis für Menschenrechte wurde  1976 aus Anlass des Geburtstags des damaligen Bundeskanzlers ins Leben gerufen, der zu diesem Zweck auf Geschenke verzichtete. Prominente Preisträger waren bisher der brasilianische Gewerkschafter und spätere Präsident Luiz Inácio da Silva und der israelische Friedensaktivist Uri Avnery. (bed, derStandard.at, 19.6.2014)

  • Anton Srholec: "Das Böse, das man erlebt, wird zur Motivation und inspiriert zu intensiveren guten Taten."
    foto: josef pampalk

    Anton Srholec: "Das Böse, das man erlebt, wird zur Motivation und inspiriert zu intensiveren guten Taten."

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