Die Google-Hysterie

Leserkommentar18. Juni 2014, 16:39
42 Postings

Eine ironische Breitseite gegen Google

Ich weiß nicht, wieso auf einmal alle Google und Android kritisieren - Datenkrake und so, "Schutz der Privatsphäre". Finde ich lächerlich - wir verwenden es doch alle ständig, oder? Und was die Privatsphäre betrifft, was bedeutet die schon in der heutigen Zeit! Sie sind schwul, lesbisch, oder Sie stehen auf S/M? Sagen Sie bloß, Sie haben es Ihren Arbeitskollegen noch nicht erzählt. Ist doch keine große Sache mehr, macht fast jeder.

Sie müssen halt nur aufpassen, wenn Sie schlimmere Dinge tun als in den "Fifty Shades of Grey", die seit Jahren an jeder Supermarktkasse stehen. Aber wie doch Eric Schmidt als CEO von Google so gut gesagt hat: Wenn man nicht will, dass andere erfahren, was man tut, dann sollte man es am besten gleich sein lassen. Richtig!

Aufpassen beim Einkaufen!

Vor allem beim Einkaufen, da würd' ich aufpassen. Könnte ja blöd aussehen, wenn man Ihnen (oder ihren Kindern) 20 Jahre später ins Gesicht sagt, dass Sie gleich mehrmals im Cannabis-Laden waren. Woher die das wissen? Na, GPS und so, Sie wissen schon! Selbst scheinbar harmlose Dinge können Sie verraten. Kaufen Sie regelmäßig viel Fleisch beim Diskonter ein? Denken Sie daran, Ihr Krebsrisiko wird deutlich erhöht, und damit könnten eventuell Ihre Krankenkassenbeiträge steigen in Zukunft. Also: sein lassen!

E-Mails sind sowieso längst keine private Sache mehr. Seit Snowden wissen wir doch, wie es um sie bestellt ist. Da kann man sie auch gleich bei Google speichern, und praktischerweise auch alle Ihre Kontakte und Freundschaftsbeziehungen, neben Facebook natürlich. Warum haben Sie eigentlich noch Vorhänge zu Hause?

Google und Lobbying

Sie sagen, Google gibt jährlich viel Geld für Lobbying aus? Harmlos! Die paar Millionen sind doch quasi nichts im Vergleich zu den Milliardengewinnen aus den Anzeigen. 60 Prozent Marktanteil, das nenne ich Erfolg! Da kann sogar die "Bild"-Zeitung einpacken, die hat bei Print gerade ein Zehntel davon. Kein Wunder, dass Döpfner so weinerliche Statements macht. So ein Monopol hätte der halt auch gern gehabt, gell?

Zeitungen sind sowieso überflüssig, und die arroganten Journalisten können mir gestohlen bleiben. Google fasst alles schön praktisch zusammen und sorgt dafür, dass ich nichts dafür bezahlen muss. Das nenne ich Kundenservice! Schreiben kann doch jeder, und heute braucht es nicht mehr als drei Klicks, um einen Blog zu starten - Google bietet auch das an, kostenlos natürlich.

Das Einzige, was ich mich manchmal frage: Wie machen die das? Ich meine, alles kostenlos? Da muss man sich doch schon fast Sorgen machen ...? (Peter Resele, Leserkommentar, derStandard.at, 18.6.2014)

Peter Resele ist beruflich kein Journalist, sondern Inhaber einer Softwarefirma.

Share if you care.