Prozess nach Vergewaltigung mit Todesfolge in Gmunden

18. Juni 2014, 10:54
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39-Jähriger soll 51-jährige Bekannte vergewaltigt und getötet haben - Angeklagter leugnet, Gutachten sollen Tat rekonstruieren

Wels/Gmunden - Im Landesgericht Wels hat am Mittwoch der Prozess gegen einen 39-Jährigen begonnen, der im Sommer des Vorjahres in Gmunden eine Bekannte vergewaltigt und getötet haben soll. Der Mann leugnet die Tat, Gutachten sollen den Ablauf klären. Ein Urteil dürfte erst am 2. Juli von den Geschworenen gefällt werden.

Zum Auftakt bevölkerten zahlreiche Medienvertreter das Gerichtsgebäude. Als der Angeklagte - gepflegt, im blauen Anzug - in den Saal geführt wurde, wirkte er optimistisch und ließ sich bereitwillig fotografieren. Er folgte dem Anklagevortrag mit verschränkten Armen und häufigem Kopfschütteln. Ihm drohen zehn bis 20 Jahre Haft.

Frau bis in Garten verfolgt

In der Nacht auf den 7. Juli 2013 sollen Opfer und Angeklagter in ihrem Tennis-Club gemeinsam mit Sportkollegen gefeiert haben. Dort habe der 39-Jährige laut Anklage die frisch verwitwete Frau auf ihr Outfit angesprochen und immer wieder abfällige und anzügliche Bemerkungen darüber gemacht haben. Sie soll verletzt auf seine Wortmeldungen reagiert und die Feier verlassen haben.

Der Angeklagte sei der Frau gefolgt, in ihrem Garten sei es zu einem Zusammentreffen gekommen, schilderte die Staatsanwältin. Er habe Sex mit ihr gewollt, sie habe abgelehnt. Er habe ihr einen Faustschlag versetzt, sie mit einem Stoß zu Sturz gebracht und die bewusstlos am Boden liegende Frau vergewaltigt. Danach soll er ihr laut Tat-Rekonstruktion der Anklage noch einen Stoß gegen den Kopf versetzt haben, um sie zu töten. Das Opfer starb Tage später, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, allerdings an der Sturzverletzung, nicht an dem letzten Schlag.

Widersprüchliche Angaben

Der Angeklagte hat in seiner Einvernahme alle Vorwürfe vehement geleugnet. Er habe einvernehmlichen Sex mit dem Opfer gehabt, ihm aber nichts angetan. Bei der Schilderung der Details brach er in Tränen aus: "Es ist unverzeihlich, aber ich bin fremdgegangen." Mehrmals betonte er sein schlechtes Gewissen als Ehemann, mit der Bluttat will er aber nichts zu tun haben.

"Der Angeklagte ist unschuldig", sagte der Verteidiger. Die vielen Sachverständigen seien uneins. "Welchen Wert sollen diese Gutachten haben?" Auch der "Kronzeuge" der Staatsanwaltschaft - ein Mithäftling, dem der Angeklagte gestanden haben soll, dass er die Frau mit einem Stein geschlagen habe - "will sich nur wichtig machen".

Der 39-jährige Beschuldigte schilderte die Vereinsfeier in der Tatnacht als "feucht-fröhlich". Seine Frau sei früher nach Hause gegangen zu den Kindern. Er sei noch geblieben und habe sich mit dem späteren Opfer in dessen Garten verabredet. Dort sei es zum Sex gekommen, alles sei sehr schnell gegangen. Danach sei die Frau gestürzt. Er habe ihr aufgeholfen. "Ich Trottel bin gegangen. Im Nachhinein ist das völlig verantwortungslos gewesen." Er will aber keine Verletzung bei der 51-Jährigen bemerkt haben.

Jahrelange Bekanntschaft

Die Tanzlehrerin und der 39-Jährige kannten sich nach dessen Schilderungen bereits seit vielen Jahren - vom Tennisverein und auch beruflich. Es sei ein "freundschaftlich-kollegiales Verhältnis" gewesen. "Sie war eine hübsche, attraktive Frau."

Dass DNA-Spuren des Mannes an etlichen Kleidungsstücke des Opfers zu finden waren, obwohl er der Frau nichts ausgezogen haben will, schob der Verteidiger auf die "übliche Fummelei", auch der Angeklagte erklärt sich das so. Immer wieder musste er auf Nachfragen des Gerichts aber einräumen, dass bestimmte Spurenlagen nicht zu seinen Schilderungen des Ablaufs passen, was ihm selbst ein Rätsel sei. "Die Gutachten sind mit der Verantwortung des Angeklagten, die Frau sei nach einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gestürzt, nicht in Einklang zu bringen", sagte die Vertretung der Staatsanwaltschaft in Unglauben.

Die psychiatrische Sachverständige bescheinigt dem Angeklagten Zurechnungsfähigkeit. Er reagiere aber aggressiv, wenn sein öffentliches Ansehen in Gefahr sei, heißt es in ihrem Gutachten. Zudem attestiert sie ihm eine "emotionale Verarmung" und wies darauf hin, dass er in den Gesprächen mit ihr auffällig stark betont habe, sexuell uninteressiert zu sein. (APA, 18.6.2014)

  • Der Angeklagte vor dem Welser Landesgericht.
    foto: apa/foto-kerschi.at/werner kerschbaummayr

    Der Angeklagte vor dem Welser Landesgericht.

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