Torloser Dämpfer für die ideenlose Seleção

17. Juni 2014, 23:05
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Mexiko lässt im dritten Spiel der Gruppe A etwas die Luft aus der brasilianischen Euphorie. Ein überragender Torhüter und eine taktisch disziplinierte Vorstellung reichen, um dem Gastgeber und hohen Favoriten deutlich die Grenzen aufzuzeigen

Fortaleza - Der zweite Auftritt der Gastgeber hob an wie der erste am vergangenen Donnerstag in São Paulo. Die Seleção zelebrierte ihre Hymne auch nach Entzug der musikalischen Unterstützung, die auf eineinhalb Minuten limitiert ist, auf dass die genau geplante TV-Übertragung nicht leide. Die Fans waren bei den Ihren, der erblondete Neymar konnte Tränen der Rührung nicht verbergen. Mit einer Träne im Knopfloch saß der blessierte Hulk auf der Bank. Ihn ersetzte Ramires, der beim 2:1 über Kroatien spät eingetauscht worden war.

El Tri, also die mexikanische Mannschaft, begann in gleicher Aufstellung wie gegen Kamerun (1:0), eingedenk einschlägiger Erfahrungen aber deutlich verhaltener. In den bisherigen drei WM-Duellen mit Brasilien hatte es schließlich drei Niederlagen ohne Torerfolg (0:11) gesetzt. In der Vorrunde des Confederations Cup vor einem Jahr siegte die Seleção ebenfalls in der Arena Castelão zu Fortaleza mit 2:0.

Brasiliens Coach Luiz Felipe Scolari hätte sich für das insgesamt 27. Duell mutigere Mexikaner gewünscht, denn gegen eine disziplinierte Defensive, taktisch per 5-3-2 ausgeführt, tut sich seine Elf schwer, zumal sich Neymar stets besonderer Zuwendung des eher humorlosen Verteidigers Francisco Rodriguez erfreute.

Mexiko setzte auf Konter und Fernschüsse. Einen Versuch von Hector Herrera aus gut 25 Metern drehte Goalie Julio Cesar nur mit Mühe über die Latte (24.). Kaum zwei Minuten später hätte aber Neymar seine Mannschaft vieler Sorgen entledigen können. Nach Flanke von Dani Alves übersprang der Superstar Rafael Márquez, doch Mexikos Torhüter Guillermo Ochoa parierte den Kopfball sensationell. Und der Legionär vom korsischen Klub Ajacco hielt die Null auch kurz vor der Pause gegen Paulinho fest, den Thiago Silva eingesetzt hatte.

Scolari brachte zur Pause Bernard statt Ramires. Am Grundmuster änderte das nichts, obwohl der neue Mann nach der nächsten Maßflanke von Dani Alves beinahe Neymar vor dem Tor gefunden hätte (48.).

Die Mexikaner nahmen sich das zu Herzen, beschlossen, Brasilien fürderhin gar nicht mehr in die Nähe des Strafraums zu lassen und Julio Cesar weiter aus der Ferne zu prüfen. Jose Vasquez, Giovani dos Santos und neuerlich Herrera versuchten innert vier Minuten ihr Glück. Brasiliens Harmlosigkeit wurde von Fred verkörpert, der völlig in der Luft hing und etwas mehr als 20 Minuten vor Schluss durch Jo ersetzt wurde. Neymar nahm es als Aufforderung, fand aber nach einer weiten Flanke mit einem Halbvolley aus recht kurzer Distanz erneut in Ochoa seinen Meister (69.), der sich also nachdrücklich für die Anrede "Man of the Match" bewarb.

Das Feuer der Brasilianer loderte danach nur noch kurz, die Außenseiter brauchten nicht einmal zu übermäßiger Härte zu greifen, ja Thiago Silva hatte bei einer Attacke an Javier Hernandez sogar etwas Glück, dass der türkische Schiedsrichter Cüneyt Cakir in der Eile nur die gelbe Karte fand.

Diese Ungerechtigkeit glich sich aus, als eben Thiago Silva nach einem Freistoß von Luiz Gustavo aus nur fünf Metern frei zum Kopfball kam, aber nur den goldrichtig postierten Ochoa traf (87.). Auch Mexiko hatte noch Gelegenheiten, aber Andres Guardado zielte knapp über das Tor. Und Marco Fabian scheiterte am ebenfalls nicht üblen Julio Cesar. (lü, DER STANDARD, 18.6.2014)

WM 2014, Gruppe A, Dienstag

Brasilien - Mexiko 0:0
Fortaleza, 60.000 Zuschauer, Castelao Arena, SR Cakir (TUR)

Brasilien: Julio Cesar - Dani Alves, Thiago Silva, David Luiz, Marcelo - Paulinho, Luiz Gustavo, Ramires (46. Bernard), Oscar (84. Willian) - Fred (68. Jo), Neymar

Mexiko: Ochoa - Aguilar, Rodriguez, Marquez, Moreno, Layun - Vazquez, Hector Herrera (76. Fabian), Guardado - Dos Santos (84. Jimenez), Peralta (74. Hernandez)

Gelbe Karten: Ramires, Thiago Silva bzw. Aguilar, Vazquez

  • Einfach nicht zu bezwingen: Mexikos Keeper Guillermo Ochoa.
    foto: ap/ themba hadebe

    Einfach nicht zu bezwingen: Mexikos Keeper Guillermo Ochoa.

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