Formenwandler im Zwiespalt

17. Juni 2014, 19:02
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Viktor Bucher zeigt unter dem Titel "Subliminal" Arbeiten von Julie Hayward

Wien - "Das ist dein Tanzbereich, und das ist mein Tanzbereich", meint man Tanzlehrer Johnny aus Dirty Dancing raunen zu hören, obgleich die zwei Paare in Julie Haywards Arbeit Let's Dance (2014) gar nicht in Verlegenheit kommen können, dem Gegenüber zu nahe zu treten: Jeweils zwei Ringe definieren die Bahnen, in denen Rocksäume und Frackschöße schwingen dürfen. Von Tuchfühlung und Intimität sind die wie Vorhänge auf einer Schiene laufenden, biomorphen schwarzen Polyesterformen weit entfernt, nur an einem Punkt spannt eine Klammer diese beiden Spielräume zusammen. Ermattet, zusammengesackt, ein wenig wie Gespenster wirken die Objekte; das Gerüst bringt Haltung hinein. So nah und doch so fern.

Von solchen Zwiespälten oder dualen Stimmungszuständen erzählen viele Arbeiten der 1968 in Salzburg geborenen Künstlerin. Fließende Formenwandler sind es, mit Assoziationen zum Heimeligen, aber zugleich auch Unbekannten. Denn gerade dort, wo man auf das innerste Selbst zurückgeworfenen ist, ist das zu Tage tretende Fremde und Unheimliche besonders schauerlich. Und genau dieses Unbehagen bettet Hayward in ihre Arbeiten ein, damit wir es subliminal, also ganz unterschwellig wahrnehmen.

Subliminal heißt auch die Ausstellung der jüngst mit dem Großen Kunstpreis des Landes Salzburg ausgezeichneten Künstlerin im Projektraum von Viktor Bucher. In der kleinen Personale stimmt auch eine Wandzeichnung das Paarthema an: Zwei quaderförmige Gestänge sind mit Schleifen - Schnäuztüchln sagt die Fantasie - lose aneinandergebunden.

Deutlicher auf den Ort des Häuslichen verweist das kurze Video Suck (2005), das ein staubsaugerartiges Objekt in Stop-Motion-Animationsfilmtechnik zum beseelten Alien werden lässt, das mit seinen beiden Saugarmen die Wände befühlt - irgendwie possierlich und nett, aber auch verzweifelt und traurig. So wie die große Silhouette, die entfernt an eine Gestalt erinnert. Dort, wo der Kopf sein könnte, kann man die Leere mit unterschiedlichen Behältnissen stopfen. Das Betrachten, das visuelle Abtasten kippt in sachtes Verstehen. Das macht Julie Haywards Arbeiten aus. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 18.6.2014)

Bis 5. 7.

Projektraum Viktor Bucher

Praterstraße 13, 1020 Wien

www.projektraum.at

  • "Suck" heißt das kurze Video von Julie Hayward.
    foto: projektraum

    "Suck" heißt das kurze Video von Julie Hayward.

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