Siggi Hofer: Geschlossene Schleifen, freie Assoziation

17. Juni 2014, 18:57
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"WOOF 1970-1992 u. 2014" titelt die Ausstellung in der Galerie Meyer Kainer. Der in Südtirol geborene Künstler zeigt dort Endlosschleifen, Textbilder und Wortobjekte

Wien - Versucht man den Linien mit den Augen zu folgen, steigt man irgendwann aus. Dabei möchte man angesichts der bunten "Kreisläufe" von Siggi Hofer ganz gerne verifizieren, ob am Ende der verschlungenen Pfade die Linie auch wirklich wieder zusammenläuft.

Obwohl diese Bilder von Hofer mit Schrift gar nicht viel gemein haben, fühlt man sich dennoch an Methoden der Écriture automatique erinnert. Schließlich spinnt der 1970 geborene Künstler aus einem Punkt heraus einen Verlauf, der zumindest in Nahsicht eine hypnotische Wirkung entfaltet. Aus der Entfernung betrachtet, assoziiert man mit den abstrakten Formen, die Hofer mit Jahreszahlen von 1970 bis 1980 betitelt, die Computerspielästhetik der 1980er-Jahre genauso wie (typo)grafische Muster mit Retro-Touch.

In der Galerie Meyer Kainer hängen dieser Serie Textbilder des Künstlers gegenüber, die farblich und formal durchaus Ähnlichkeiten mit seinen abstrakteren "Kreisläufen" aufweisen. Auch sie wirken, als hätte Siggi Hofer diese in den Farben der olympischen Ringe gemalt und für das Formen der Buchstaben dieselbe Metallschiene und auch dasselbe Trinkglas benutzt. Als Inspiration für die kurzen Texte haben ihm Quellen aus der Literatur, aber auch Graffiti, Liedtexte oder Demonstrationsbanner gedient.

"Illusions Bloom in the Summer Breeze" ist noch einer der romantischeren Sätze darunter. Schließlich lässt sich daneben auch der Spruch "My Father is an Old Donkey" entziffern oder ein Sprachspiel mit der "Großmutter", die, je nachdem wie man das Bild aufhängt, entweder Heilige oder Hure ist.

Als wichtiger Referenzort taucht in der Arbeit des Künstlers immer wieder die Schwulenbar auf: "Denis is a First Gay Club in Croatia that Started Such Parties", heißt es auf einem Bild - sprachliche Fehler inklusive. Auch einen weiteren Satz kann man als sehr konkretes politisches Statement verstehen: "Mein Bruder findet keine Arbeit", steht da deutlich lesbar, während die einzelnen Buchstaben des Wortes "Protest" drunter und drüber purzeln.

Ähnlich ergeht es außerdem den Worten "Camp", "Action", "Bunker", "Union" oder "Woof" - Letzteres leiht der Ausstellung ihren Titel: Der Künstler hat die Lettern auf Holzbalken befestigt, durcheinandergewürfelt und so auch buchstäblich in freie Assoziationen verwandelt. (Christa Benzer, DER STANDARD, 18.6.2014)

Bis 19. 7.

Galerie Meyer Kainer

Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

www.meyerkainer.com

  • Blick in die Ausstellung "WOOF 1970-1992 u. 2014" von Siggi Hofer in der Galerie Meyer Kainer. 
    foto: marcel koehler

    Blick in die Ausstellung "WOOF 1970-1992 u. 2014" von Siggi Hofer in der Galerie Meyer Kainer. 

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