Kontra Fahrradhelmpflicht: Trügerische Sicherheit

Kommentar17. Juni 2014, 18:08
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Die Entscheidung sollte Erwachsenen selbst überlassen werden

Der eher perfide Versuch einer Versicherung, sich an einer unbehelmten Fahrradfahrerin in Deutschland abzuputzen, ist gescheitert. Sie war unverschuldet bei einem Unfall schwer verletzt worden und sollte nach Ansicht der Versicherung des Unfallverursachers einen Teil ihres Schadens selbst bezahlen, weil sie eben keinen Helm getragen hatte. Das Erstgericht war dem frechen Ansinnen noch gefolgt, doch der Bundesgerichtshof lehnte es nun ab.

Um ein Haar hätte sich also eine generelle Helmpflicht über die Versicherungsschiene eingeschlichen, und weil Österreich gern nachmacht, was Deutschland vorhupft, wäre das unbedeckte Radlerhaupt vermutlich auch bei uns bald passé gewesen. Ist es aber nicht. Vorerst jedenfalls.

Obwohl Fahrradhelme (im Gegensatz zu Skihelmen) nur einen Minimalschutz bieten, verleiten sie zum Schnellerfahren. Das ist bekannt vom Skifahren. Doch dieses Mir-kann-nichts-passieren-Gefühl ist natürlich trügerisch, denn Helme können Unfälle nicht verhindern.

Keine Frage: Mountainbiker oder Downhillracer, die ohne Helm unterwegs sind, haben kein Hirn, das sie schützen können. Doch üblicherweise ist Radfahren eben keine Risikosportart, sondern gesunde Bewegung im Alltag. Wie Laufen oder Walken. Da kann ein Helm zwar auch nicht schaden, aber die Entscheidung, einen zu tragen, sollte jeder und jedem Erwachsenen selbst überlassen werden. Für eine Risikoabschätzung braucht es keine Pflicht. (Michael Simoner, DER STANDARD, 18.6.2014)

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