Pro Fahrradhelmpflicht: Frisur kaputt, Kopf gerettet 

Kommentar17. Juni 2014, 22:04
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Der Staat schützt auch anderswo die Schwächeren durch Vorschriften 

Unpraktisch, einschränkend, im Sommer zu heiß - Radler, die keinen Helm tragen mögen, führen gerne diese Gründe an, um selbigen eben nicht aufsetzen zu müssen. Und nicht zu vergessen, das merkwürdigste aller Argumente: Der Helm zerstört die Frisur.

Gelegentlich aber rettet er den Kopf. So mancher hat daher darauf gehofft, dass der Bundesgerichtshof in Deutschland sozusagen die Helmpflicht durch die Hintertür einführt, wenn schon der Gesetzgeber sich nicht dazu durchringen kann. Doch es kam anders. Radler müssen auch weiterhin keinen Kopfschutz tragen, es gilt ja - wie in Österreich für Fahrer ab zwölf Jahren - keine Helmpflicht.

Das ist bedauerlich, weil es die Realität negiert. Die viel stärkeren Autofahrer müssten halt aufpassen, sagen Gegner der Helmpflicht und weisen auch darauf hin, dass Kommunen eben für sichere Radwege sorgen sollen.

Klar, das klingt in der Theorie gut. Aber die Praxis sieht leider anders aus. Es kommt zu Unfällen, weil Verkehrsteilnehmer Regeln missachten und Radfahrer nicht nur in der autofreien Zone in die Pedale treten.

Der Staat schützt die Schwächeren durch Geschwindigkeitsbeschränkungen für die Stärkeren. Warum nicht auch durch ein wenig Kunststoff am Kopf? Man gewöhnt sich daran - genauso wie an den Gurt im Auto, dessen Einführung in den 1970er-Jahren so viele aufregte, der aber seither unzählige Leben rettete und längst akzeptiert ist. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 18.6.2014)

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