Irak-Krise: Rückschlag auf dem Weg zur Ölmacht

17. Juni 2014, 18:15
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Der Bürgerkrieg im Irak wirkt sich negativ auf die Ölförderung aus. Die größte Raffinerie des Landes wurde geschlossen. 

Paris/Wien - Nach der raschen Erschöpfung der Schieferölvorkommen in den USA wird ab 2020 die Opec und dort wiederum vor allem der Irak für das Wachstum der weltweiten Ölproduktion verantwortlich zeichnen. So stand es kürzlich im "Irak Energie-Ausblick" der Internationalen Energieagentur (IEA) geschrieben. Das war, bevor die Islamistenorganisation Isis einen Bürgerkrieg anzettelte und zusehends die Ölinfrastruktur in Beschlag nimmt.

Jüngster negativer Höhepunkt in den Auseinandersetzungen: Die größte Ölraffinerie in Baiji ist nach Angaben von Mitarbeitern geschlossen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor waren Isis-Truppen nach der Eroberung von Mossul auf Baiji - die Stadt liegt in etwa auf halber Strecke auf dem Weg ins 180 km südlicher gelegene Bagdad - vorgerückt. Ausländische Mitarbeiter hätten den Standort verlassen, irakische Leute seien aber weiterhin in der Raffinerie, hieß es.

Am Dienstag klang dann auch eine neue Bewertung der IEA etwas anders. Sie sieht die ambitionierten Ausbaupläne der irakischen Regierung durch die kriegerischen Auseinandersetzungen bedroht. Die IEA ging bisher davon aus, dass die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) ihre Produktion bis 2019 um 2,08 auf 37,06 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag ausweitet. Fast zwei Drittel dieses Zuwachses werde voraussichtlich der Irak beisteuern, meinte die IEA.

Dass die Ausbaupläne derart hochtrabend waren, hat mehrere Gründe. Das Land verfügt nicht nur über die fünftgrößten Erdölreserven der Welt, die Quellen sind auch leicht zugänglich, der Energieträger vergleichsweise günstig ans Tageslicht zu fördern. Daher gab es Regierungspläne, den täglichen Output von derzeit 3,6 Millionen Fass am Tag sogar fast zu verdreifachen. Doch nicht erst der Bürgerkrieg ließ diese Hoffnungen platzen. Skepsis gab es auch schon davor, weil Lagerstätten, Pipelines und Süßwasser fehlen. Letzteres wird benötigt, um den nötigen Druck im Boden aufzubauen, damit die Quellen auch sprudeln. Deshalb sollen riesige Entsalzungsanlagen gebaut werden. Zweifel gab es auch wegen der - gelinde gesagt - mangelnden Effizienz des wichtigen Ölministeriums. Dazu kommt der innerstaatliche Konflikt um kurdisches Öl, das Bagdad wie auch die Provinz für sich beanspruchen.

Während westliche Konzerne angesichts der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit schon länger vorsichtig im Irak agieren, scheut China das Risiko nicht. Das Land hat sich längst zum größten ausländischen Investor gemausert. Die Ölausfuhren sollen heuer bereits 30 Prozent aller irakischen Exporte ausmachen. Doch auch diese Prognose wurde vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs erstellt. (as, DER STANDARD, 18.6.2014)

  • Die Rückkehr zur Ölförderung in Baiji wurde erst vor drei Jahren militärisch gewährleistet.
    foto: epa

    Die Rückkehr zur Ölförderung in Baiji wurde erst vor drei Jahren militärisch gewährleistet.

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